„Das Menschenbild von RTL und Co ist hoch gefährlich“

Thomas Bellut ist Programmdirektor des ZDF und wird im März 2012 die Nachfolge von Professor Markus Schächter als Intendant des Senders antreten. Im Interview mit der Jungen Presse spricht er über Gefährdung der Jugend durch die private Konkurrenz und die Lehren, die das ZDF aus Fehlern der Vergangenheit gezogen hat.

Herr Bellut, der jetzige Intendant Markus Schächter hat gestern in seiner Rede betont, wie wichtig ihm der Jugendmedienschutz ist. Führen Sie in dieser Hinsicht seine Arbeit fort?

Natürlich. Schon jetzt als Programmdirektor bin ich regelmäßig mit dem Thema beschäftigt. In enger Zusammenarbeit mit unserem Jugendschutzbeauftragten Dr. Gunnar Krone müssen wir bei jeder Sendung neu überdenken: Kann man das zeigen? Geht das oder geht das nicht? Das gilt insbesondere für neue Formate.

In der öffentlichen Diskussion war vor allem die im ZDF ausgestrahlte Serie „Borgia“, in der die mittelalterliche Papstdynastie mit blutigen Szenen und offenherzigen Nacktszenen aufgearbeitet wurde. Das alles zur besten Sendezeit. Ging das nicht etwas zu weit?

Die Diskussion hat allein in den Medien stattgefunden und das auch nur im Boulevardjournalismus. Tatsächlich haben wir nur vereinzelt Beschwerden hinsichtlich der Gewalt erhalten und gar keine bezüglich der Nacktszenen.

Sie stehen also auch weiterhin zu der Entscheidung, solche Szenen auszustrahlen obwohl um 20.15 Uhr auch viele Jugendliche vor den Bildschirmen sitzen?

Uneingeschränkt ja. Wie gesagt, wir hatten keine nennenswerten Beschwerden. Das zeigt, dass die Sendung unseren Zuschauern gefallen hat. In meinen Augen hat die Ausstrahlung einiger Szenen sogar zu einer breiten öffentlichen Diskussion beigetragen. Das bewerte ich als positiv.

Das ZDF gilt nach wie vor als Rentnersender. Die unter Jugendlichen beliebtere private Konkurrenz setzt bei der Programmplanung vor allem auf das Motto „Sex sells“. Müssen Sie sich diesem Druck nicht beugen, um Ihren Sender zu modernisieren?

Sat 1, RTL und Co setzen vor allem auf die Darstellung von Menschen in erniedrigenden Situationen. Gezeigt werden Menschen, deren Karriere oder Privatleben am Tiefpunkt ist. Denken Sie beispielsweise an das Dschungelcamp. Dieses Konzept ist höchst archaisch. Dass solche Formate inzwischen sogar schon im Feuilleton renommierter Tageszeitungen besprochen werden, belegt, dass sie das Menschenbild nachhaltig ändern. Das halte ich für hoch gefährlich.

Dennoch scheint das Konzept der Privaten aufzugehen. Spüren Sie wirklich keinen Druck?

 Das Glück des ZDF ist, dass wir kein Wirtschaftsunternehmen sind und keine Gewinne erwirtschaften müssen. Das macht unter anderem die Daseinsberechtigung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aus.

Welche Bedeutung hat für Sie die Jugendmedienschutztagung?

 Diese zwei Tage sind für uns alle eine Fortbildung. Das Ziel ist, dass unsere Mitarbeiter das Echo der Diskussionsrunden mit ins Haus tragen. Die Ergebnisse fließen in jedem Fall in unsere Alltagsentscheidungen über Sendungen und Formate ein. Die Tagung zeigt auch, dass wir unser Interesse am Internet weiter verstärken müssen.

Nehmen Sie die Ergebnisse einer solchen Veranstaltung auch mit in die Diskussionen mit der Politik, die letztendlich über die Regularien entscheidet?

Wir sind regelmäßig in einem aktiven Diskurs mit der Politik. Wir als ZDF haben beispielsweise eine feste Vorstellung davon, wie wir kontrolliert werden sollten. Dieses System ist effizient und wirkungsvoll. Das bestätigen uns auch zahlreiche Experten. Mehr Kontrollmechanismen brauchen wir jedenfalls nicht.

Haben Sie spezielle Wünsche an den Gesetzgeber?

 Meine Wünsche richten sich eher an die Gesellschaft, verantwortungsvoll mit alten und neuen Medien umzugehen. Der Gesetzgeber ist insbesondere in der Netzpolitik überfordert. Die eine Lösung gibt es nicht. Illusorisch ist es auch, alle Nutzer erreichen zu wollen. Das kann nicht funktionieren.

Zurück zum ZDF. Selbst die Familiensendung „Wetten, dass..?“ stand nach dem Unfall von Samuel Koch in der Kritik. Die Wetten seien zu riskant, die Gefahr werde verharmlost. Teilen Sie diese Auffassung?

Zunächst einmal zeigen auch andere Sendungen, insbesondere im Sport, Wettbewerbsszenen. Nach 30 Jahren „Wetten, dass..?“ wähnten wir uns in einer vermeintlichen Sicherheit. Bei jeder Probe waren Experten anwesend, das Team war erfahren der Kandidat gut trainiert. Diese Sicherheit war trügerisch.

Wie haben Sie auf den Unfall reagiert und funktioniert „Wetten, dass..?“ auch ohne große Risiken?

Zunächst einmal haben wir das Gefährdungspotenzial der Wetten heruntergefahren. Es ist nicht notwendig, dass eine Unterhaltungssendung zum Drama wird. Die Quoten sind seit der Veränderung nicht gefallen. Das zeigt, dass die Zuschauer „Wetten, dass..?“ auch in dieser Form akzeptieren.

Zum Schluss die Frage, die sowohl Feuilleton als auch Boulevard derzeit am meisten beschäftigt: Wer wird der Nachfolger von Thomas Gottschalk?

Darauf kann ich Ihnen nach wie vor keine Antwort geben. Die Diskussion zeigt aber, wie vital die Marke „Wetten, dass..?“ nach wie vor ist. Das wollen wir erhalten.

 

Das Intervivew führte Jan Daum

FSK, FSM, FSF, USK – eine unsinnige Tradition?

Selbstkontrollen geben Richtwerte, an denen sich Eltern orientieren können, sei es bei Filmen, Computerspielen, Fernsehen oder Unterhaltungssoftware. Aber wie sinnvoll sind diese Kontrollen eigentlich überhaupt?

Christian Scholz alias Mr Topf stellt dieses traditionelle Klassifizierungssystem klar in Frage. Seiner Meinung nach nehme man den Eltern damit die Aufgabe, sich selbst zu erkundigen. Seine Behauptung, die Organisationen würden nicht ihre Altersrichtlinie begründen, wird allerdings schnell von Regina Käseberg und Dr. Haase entkräftet.

Tatsache ist: Kaum ein Bürger nimmt Notiz von den kleinen Symbolen, die anzeigen, welche schädlichen Inhalte in Spielen und Filmen enthalten sind. So sind sie nicht fähig, die grauen Zeichen den Begriffen ‚bad language‘ und Gewaltverherrlichung zuzuordnen. Wer sich das alles nochmal genau durchlesen will, stößt im Internet auf begründete Fließtexte, die alle Aspekte für die FSK-Wertung aufzählen.

Scholz ließ sich davon nicht überzeugen. Dieses System diene dem Staat nur dazu, eine Aktivität im Bereich Jugendmedienschutz vorweisen zu können, war die deutliche Ansage. Er erwähnte außerdem die fraglichen Internetfilter, die von Jugendlichen mit der nächstbesten gegoogelten Anleitung entkräftet werden könnten.
Allgemein seien Einschränkungen im Internet völlig zwecklos für eine Generation, die mit diesem Medium aufgewachsen ist und sich bestens damit auskennt. So sei die Idee mit einem Altersklassifizierungssystem für das Internet kaum produktiv, da Anbieter ihre Inhalte meist falsch einschätzen würden. Sabine Frank konterte allerdings, dass das System vorallem dazu diene, die Anbieter, die ihre Seiten falsch klassifizierten, zur Rechenschaft zu ziehen.

Das Gespräch wurde letzendlich damit geschlossen, dass eine Abschaffung der allseits bekannten FSK-Regelung absurd wäre. Außerdem sei die von Herr Scholz bemangelte Transparenz vorhanden, sodass nur noch eine Frage offen bleibt: Ob Eltern ihre Pflicht übernehmen und mit ihren Kindern persönlich über problematische Inhalte diskutieren, anstatt grob die Richtwerte zu überfliegen.

Von Kim Ly Lam

Podium „Medienpolitischer Ausblick“

Das zweite Podium vom Donnerstag, „Medienpolitischer Ausblick“, hat einen Abschluss für die „Jugendmedienschutztagung“ geliefert. Es wurde viel diskutiert und doch sind sich am Ende die meisten zumindest in einem Punkt einig: Jugendmedienschutz ist wichtig und es muss noch weiter dafür gearbeitet werden.

Dr. Arne Wulff, Chef der Staatskanzlei Schleswig-Holstein, plädiert für klare Verbote. Für ihn ist das Problem, dass es zu klären gilt, nicht der Wert selbst, sondern die Umsetzung. Er glaubt nicht daran, dass sich durch Digital Natives (Menschen die mit Medien aufwachsen) das Problem früher oder später von selbst lösen wird. Er sieht Technologie im ständigen Wandel. Er sieht in der Zukunft die Notwendigkeit, dass die virtuelle Welt reguliert wird, dass Medienkompetenz besonders an jene, die sich selbst nicht darum kümmern, vermittelt wird, und dass sich eine Medienkultur entwickelt, damit die jungen Menschen wissen, was sich gehört und was nicht. Außerdem muss auch im Internet ein Gestaltungsspielraum frei gelassen werden, ähnlich wie beim Fernsehen, wo die Eltern selber entscheiden dürfen, ob sie sich an die Altersempfehlung halten. Dazu ist auch eine Ausarbeitung zwischen dem Zusammenhang von Fernsehen und Internet nötig.

Dr. Thomas Bellut, Programmdirektor des ZDF, sieht das Problem auch in der Umsetzung: „Wir haben Systeme und Gesetze, aber die Umsetzung ist schwer. Wir müssen uns der Diskussion stellen.“ Er befürwortet, dass der KIKA beispielsweise nicht unter kommerziellem Druck steht, sondern jugendfreundliches Programm sendet.

Hr. Kreisisk, von der Staatskanzlei Baden-Württernberg, fordert, dass Jugendschutzprogramme noch mehr durchleuchtet werden. Er sieht für jeden einzelnen eine Eigenverantwortung. „Die Wirtschaft akzeptiert Jugendmedienschutz wenn sie selbst davon einen Vorteil haben.“

Thomas Fuchs, DLM, sieht in der Zukunft  pragmatisches Handeln. „Wir müssen nicht auf den großen Wurf warten. Wir müssen mit kleinen Staatsverträgen beginnen und auf deren Basis noch weiterentwickeln.

Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, fordert zumindest normative Verbote. „Woher kommen normative Grundlagen unserer Gesellschaft?“ Für ihn ist das eine Frage der Frömmigkeit.

Abschließend lässt sich sagen, dass unser bestehender Jugendschutz bereits gut ist, aber definitiv noch ausbaufähig.

Von Deborah Mateja

Selbstregulierung statt Gesetze

Auch am ersten Dezember wurde wieder angeregt im ZDF Sendezentrum bei der der Podiumsdiskussion zum Thema „Bausteine eines zukunftsfähigen Jugendmedienschutzes: Richtungsweisende Impulse – ja oder nein?“ diskutiert. Zu Gast in der Expertenrunde saßen Professor Gunnar F. Schuppert , Professor Barbara Thomaß, Regina Käseberg und Manfred Krupp.

Professor Schuppert im GesprächAuf Grundlage der vorhergegangenen Rede Schupperts eröffnete Moderator Dr. Stumpf die Diskussion.  In dieser war vor allem eins Thema: Wie soll man zukünftig Jugendmedienschutz angehen? Soll man das alte System nur überarbeiten, oder alles neu umkrempeln? Während Gesetzgebung immer nachlaufend sein wird und sich die Medien zu schnell entwickeln werden, so Schuppert, müsse man andere Wege gehen und das Ganze überdenken.  Frau Käseberg und Herr Krupp vertraten die Meinung, man solle das alte, funktionierende System auf sich beruhen lassen, und sich auf die neuen Aufgaben konzentrieren. Dagegen forderten Frau Thomaß und Herr Schuppert, die alten Gesetze neu zu überdenken, da sich die Ansichten zu den Medien geändert haben. Während sich die Diskussion sehr auf neue Möglichkeiten beschränkte, wurde das Thema Internetfilter nicht angesprochen.  So versuchte Krupp erneut auf die Möglichkeit der Selbstregulierung hinzuweisen.  Man müsse Jugendliche auf einer für sie ansprechende Kommunikationsebene , wie Sprache, Musik und Bilder ansprechen um sie von der freiwilligen Selbstkontrolle zu überzeugen. Hierzu müssen jedoch auch Möglichkeiten außerhalb der „Zwangseinrichtung“ Schule, so Thomaß eingerichtet werden. Käseberg ergänzt, ein Jugendzentrum ohne Internet spricht heut zu Tage keine Jugendlichen mehr an. Vor allem würde man so auch die Medienkompetenz von benachteiligten Jugendlichen effektiver fördern.  Dies geschieht jedoch auf Kommunalebene und ist schwer bundesweit umzusetzen.

Ein Einwand von Herr Krupp war, man müsse ganz klar auch das positive in den neuen Kommunikationsmedien sehen und nicht nur immer über die Gefahren nachdenken.  „Ich bin neidisch, dass ich damals keine Möglichkeiten wie Facebook hatte und deswegen nicht die Chance habe, wie meine Töchter in Kontakt mit Freunden weltweit zu bleiben“, so Krupp.  Eine Kommunikationsverhindung ist keine Lösung, vielmehr müsse man in die Weiterbildung von Lehrkräften investieren, wie auch weiter Mittel in Jugendzentren zur Prävention von medialen Gefahren bereitstellen.

Abschließend fasste Moderator Dr. Stumpf vom WDR zusammen, dass  Jugendschutz viel mehr Ansehen genießen sollte als Marktwert, als ständig auf Quote und finanziellen Erfolg ab zu zielen. Auch dies unterstreicht Krupp mit einem eigenen Beispiel und erwähnt, wie damals eine Erstausstrahlung, welche ab 12 Jahren freigegeben wurde, erst um 23 Uhr ausgestrahlt wurde. Hierbei verzichtete der Sender auf geschätzte 4 Millionen Zuschauer, schaut jedoch auf eine positive Rückmeldung in Bezug auf den Jugendschutz zurück.

Klar zu erkennen ist, dass diese Experten nicht der Auffassung sind, durch geänderte Gesetze den Jugendschutz in der Zukunft zu sichern, sondern auf Prävention und Selbstregulierung setzen wollen.

Von Anna Stunic und Manuel Wamsler

Erfrischende Vorschläge

„Jugendmedienschutz darf kein Placebo sein, das die Eltern schlucken, um sich in falscher Sicherheit zu wiegen“, sagt Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung. Er fasst in seiner Rede am Donnerstagvormittag aktuell und fundiert zusammenfasst, was am Vortag in Vorträgen und Diskussionen gesammelt wurde. Das besondere daran: Er konnte gestern gar nicht anwesend sein und die Beiträge mitverfolgen. Die Rede beweist also, dass Krüger ein kompetenter Redner ist, der zurecht auf der Jugendmedienschutztagung die Möglichkeit bekommt, seine Gedanken zu äußern.

Schade, dass er rhetorisch hinter dynamischeren Vorträgen – zum Beispiel von Professor Schuppert – zurückbleibt. Denn er trägt den Text zwar flüssig vor, doch es ist deutlich herauszuhören, dass die komplette Satzstruktur auf dem Blatt aufgedruckt ist, von dem er – so scheint es mir – nur mühsam den Blick abwenden kann. Das macht es mir ein bisschen schwieriger, ihm zuzuhören.

Dabei bietet er einige erfrischende Thesen: Die verschiedenen Selbstkontrollen sollten zusammenarbeiten, anstelle gegeneinander zu konkurrieren – und der Jugendmedienschutz sollte genauso stark in den öffentlichen wie in den privaten Sendern wirken. Außerdem solle Jugendmedienschutz gemeinsam mit den Nutzern gestaltet werden. Effizientes Risikomanagement im Internet müsste darüber hinaus gegenüber Risikoreduzierung oder gar Risikovermeidung überwiegen.

Trotz komplexer Rede: Herr Krüger ist ein gewichtiger und kompetenter Akteur, der den Jugendmedienschutz gewaltig voranbringen kann.

 

Von Kim Ly Lam

„Der schönste Job für Studenten“

Die zweitägige Jugendmedienschutztagung 2011 beim ZDF in Mainz wird von vielen Hosts und Hostessen begleitet. Sie sorgen dafür, dass die Referenten zu den Räumen finden, die Gäste ihre Garderobe abgeben können und die Taxis pünktlich kommen.
Dies sind ihre Geschichten.

Mathis Hartmann ist Student und kann sich keinen besseren Nebenjob vorstellen als beim ZDF. Er ist Host. „Ich fühle mich hier sehr wohl. Das ist der beste Studentenjob, den man sich vorstellen kann. Auch der Arbeitslohn ist perfekt und die Leute sind äußerst nett.“

Hans-Joachim Steinmetz aus der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit lobt die Freiheit der öffentlich-rechtlichen Sender: „Wir brauchen Geld, um Programm zu machen. Kommerzielle Sender brauchen Programm, um Geld zu machen.“
„Das ZDF hat sichere Einnahmen und muss, anders als die Privatsender, nicht jede Ausgabe rechtfertigen. Deswegen sind beim ZDF die Arbeitsbedingungen günstiger, “ erklärt Mathis.

Katharina Schmidt arbeitet als Hostesse. Neben ihrem Masterstudium Management arbeitet sie nun schon fast zwei Jahre in Mainz. „Im April muss ich mich leider verabschieden, da die Arbeitsverträge für Hostessen höchstens zwei Jahre laufen.“ Im Sommer hilft sie jeden Sonntag beim Fernsehgarten. Auch dort trifft sie auf prominente Persönlichkeiten.

Für Sara Afschar-Hamdi begann die Arbeit mit einer Tragödie. Ihr erstes „Wetten, dass…?“ im Dezember 2010 war für sie „prägend“. Damals stürzte Samuel Koch bei einer Wette unglücklich und die Live-Sendung wurde abgebrochen. „In der Situation war ich ganz perplex. Aber wir mussten uns natürlich um die Zuschauer vor Ort kümmern. Die sind reihenweise zusammen gebrochen.“ Sie lobt das vorbildliche Verhalten des Senders, der die Sendung sofort unterbrochen hat.

Sie alle arbeiten nicht nur gerne für das ZDF, gelegentlich nutzen sie auch mit großer Freude das ZDF-Programm.

Von Deborah Mateja und René Reile

Neue ZDF-Studie belegt Angst vor dem Internet

Pünktlich zur Jugendmedienschutztagung stellten ZDF-Medienforschung und Hans-Bredow-Institut eine brandneue Studie zum Thema vor. Gerlinde Schumacher, eine der Hauptverantwortlichen für die Durchführung der Studie, betonte die Relevanz der Erhebung, die eine Lücke in der Medienforschung schließt: „Es gibt bisher so gut wie keine Studie, die auf die Eltern fokussiert ist.“
Die Besonderheit ist zudem, dass die Eltern zu allen Medien befragt wurden. So sollte ein sorgfältiges und vollständiges Bild von Medienängsten, -sorgen und -bedrohungen erzeugt werden.

In Zusammenarbeit mit einigen Meinungsforschungsinstituten befragte das ZDF telefonisch 750 Personen, die selbst mindestens ein Kind im Alter von 3-17 Jahren haben.

Das Schwierigste beim Design der Studie, so die Leiterin der ZDF Medienforschung Susanne Kayser, war der Entwurf des Fragebogens: „Wie erfassen Sie Medienkompetenz? Wir können die Eltern ja nicht einfach fragen ‚Glauben Sie, Ihre Kinder sind medienkompetent?'“ Die Lösung für dieses Problem wurde in einer allgemeiner formulierten Aussage gefunden, der die Befragten je nach Wichtigkeit 1-5 Punkte zuweisen sollten.

Eins der eindeutigsten Untersuchungsergebnisse, so Schumacher, konnte bei den Sorgen der Eltern 12-13jähriger Kinder gemacht werden. Gerade in diesem Alter hätten die Eltern am meisten Angst, dass die Zöglinge negativ durch ihren Medienkonsum beeinträchtigt werden könnten. „Das liegt natürlich auch in der Natur der Sache“, erklärt Schumacher: „Auf der Schwelle zur Pubertät ist die Sorge am größten, dass sich die Kinder von ihren Eltern entfernen.“ Zudem herrsche auch gerade in dieser Zeitperiode ein großes Misstrauen der Eltern vor dem Internet.

Das Internet nehme sowieso mittlerweile eine besondere Rolle ein, so Kayser: „Wir sprechen beim Internet nicht von einem Medium, sondern von einem Meta-Medium.“ Das bedeute, dass das weltweite Netz viele analoge und digitale Medien zusammenfasse – Zeitungen lassen sich also ebenso konsumieren wie Fernsehen und Radio.

Deswegen seien die gesellschaftlichen Veränderungen, die das Meta-Medium Internet mit sich bringe, wesentlicher als beim Aufkommen anderer Medien. Die Menschen fürchteten damals zwar den Einfluss des Buchdrucks genauso wie sie Comics zunächst pauschal verurteilten und auch dem Fernsehen skeptisch gegenüberstanden.
Doch dass das Internet ein gefährlicheres Medium ist, sieht Kayser auch mit der neuen Studie als bewiesen an: „Cyber-Mobbing hat zum Beispiel viel verheerendere Wirkungen als das Mobbing auf dem Schulhof.“ Unter dem Deckmantel der Anonymität und angesichts der rasend schnellen Verbindung mit vielen anderen „Freunden“ in sozialen Netzwerken sei die Verbreitung von diffamierendem Material einfacher, die Hemmschwelle sei niedriger.

Die Befragung der Eltern ergab zudem, dass die Sorgen auch gerade auf negativen Erfahrungen der Kinder beruhten. Demnach wurden 60% der 12-15 Jährigen bereits Opfer von Datenmissbrauch, Cyber-Mobbing, Gewaltdarstellungen oder sexueller Belästigung im Internet.

Die Verantwortung, aus diesen alarmierenden Ergebnissen Konsequenzen zu ziehen, sehen die Eltern selbst meist bei sich (weit über 90%). Doch auch Internetanbieter und die Politik sollen mit in die Pflicht genommen werden – genauso wie die Schulen: „Medienkompetenz sollte kein freiwilliges Lernziel an den Schulen sein“, sagt Susanne Kayser. Das leidige Thema mit dem Schulfach „Internet“ umgeht ihre Kollegin Schumacher hingegen mit dem Hinweis, dass in jedem Fach eine Einbindung der modernen Medien sinnvoll und notwendig sei. So sei eine Schulung auch im Rahmen von Mathe- und Sachkundeunterricht möglich.

 

Von Christoph Henrichs

Professor Schuppert im Porträt: Freie Rede für den Jugendmedienschutz

Unsere Reporterin Anna Stunic berichtet von ihren Eindrücken der Rede von Prof. Dr. Gunnar Folke Schuppert von der Humboldt-Universität Berlin.

Herr Schuppert erzählt frei, verwendet nicht zu viele Fachwörter und formuliert leicht verständlich. So fällt es wesentlich leichter, seine Rede zu verfolgen.
Um seine Aussagen zu erklären und zu verdeutlichen, greift er aktuelle Beispiele aus den Nachrichten und  aus seinem Alltag auf.

Ab und zu lockert er seine Rede auch mit kurzen Scherzen auf. Dadurch dass er sehr lebhaft erzählt, und seine Stimme gekonnt einsetzt, wird das Zuhören zusätzlich leichter und die Rede spannender.

Herr Schuppert benutzt klare und souveräne Gesten – sein Vortrag wird dadurch lebhafter als der ein oder andere seiner Kollegen vom Vortag.

Obwohl er während seiner Rede des Öfteren vom Kernpunkt des Themas abweicht, schließt er ein Hauptthema stets mit einer klaren Aussage ab. Auch die Einleitung eines Themas erfolgt in einem klaren, aussagekräftigen Satz.
Weil eine solche frei erzählte Rede viel leichter zu verfolgen ist, bin ich der Meinung, dass Reden öfter auf diese Weise gehalten werden sollten.

 

Von Anna Stunic

Die Redaktion der Jungen Presse ist live dabei

Neun junge Journalisten der Jungen Presse begleiten die Jumeta in diesem Blog live. Seit Mittwoch früh um 5 sind wir unterwegs, um für euch vor Ort zu berichten.

In der Meistermannhalle haben wir unsere gläserne Redaktion aufgebaut und schwirren zwischen Konferenzraum, Interviewpartnern und Laptops hin und her. Die Themen sind vielfältig. Vom Bericht über die Check Ups vom Mittwoch über ein Interview mit dem Pornoanwalt und einen Kommentar zum Jugendschutzrecht ist vieles dabei.

Die Redakteure sind Jungjournalisten zwischen 15 und 23 Jahren, die bereits in Schüler- und Tageszeitungen aktiv sind. Im Rahmen der Live-Redaktion können sie sich praktisch ausprobieren und den Journalistenalltag einmal hautnah miterleben.

Die Junge Presse ist der in Nordrhein-Westfalen ansässige Verein junger Medienmacher. Der Verein ist seit 60 einer der größten bundesweit aktiven Jugendmedienverbände. Rund 12.000 Nachwuchsjournalisten nutzen die Angebote des ehrenamtlich organisierten Vereins.

Neben der live Berichterstattung bietet die Junge Presse viele Seminare für medieninteressierte Jugendliche an, um zukünftige Journalisten praktisch auszubilden und vertritt außerdem die Rechte junger Medienmacher.

von Katrin Rulle

Stimmen und Erwartungen

Die Junge Presse hat ein Stimmungsbild der Teilnehmer der Jugendmedienschutztagung erstellt. Bei einer Umfrage unter den Referenten und Teilnehmern interessierten uns die Beweggründe und Meinungen zum Jugendmedienschutz – und zu Twitter.

Holger Reckter, Fachhochschule Mainz
„Ich wurde mit dem Fokus auf die technischen Fragen eingeladen. Jedoch geht es mir persönlich mehr darum, einen Überblick über verschiedene Positionen zu bekommen.
Denn die Frage des Jugendmedienschutzes ist ein immer fortlaufender Prozess. Mich interessieren verschiedene Standpunkte, sonst bleibt man immer nur bei der eigenen Position.
Direkt von der Veranstaltung zu twittern ist für mich uninteressant, da ich mir erst eine reflektierte Meinung im Laufe der Veranstaltung bilden werde.“

Pädagogin, möchte anonym bleiben
„Mir geht es neben dem Medienschutz, der wichtige Rahmenbedingung sichert, darum, ein Augenmerk auf die Kompetenzförderung zu setzen. Hierbei geht es vor allem um das Fitmachen der älteren Generation.
Wir müssen versuchen, vorzubeugen und zu informieren. Ich wünsche mir für den Verlauf der Tagung, dass wir uns nicht mit Illusionen verzetteln, sonder pragmatisch die Risiken und Chancen abzuwägen.
Bei solchen Diskussionen hilft Twitter sicher, die Hemmschwelle der Äußerung zu überschreiten und belebt Diskussionen.“

Dr. Sabine Mader, Bayerischer Rundfunk
„Aufgrund meiner Funktion als Medienschutzbeauftragte interessiert es mich vor allem, wie es weiter geht mit dem Jugendmedienschutz.
Es ist interessant für die tägliche Arbeit, hier unterschiedliche Meinungen anzuhören. Ich wünsche mir mehr Referenten, die konkrete Regelungsvorstellungen präsentieren und auch zu mutigen Vorschlägen bereit sind. Dazu muss ich den Vortrag von Dr. Murad Erdemir loben.
Ich selbst twitter nicht, finde es aber interessant – so weit es inhaltlich wertvoll ist. Belangloses Twittern hingegen sehe ich als eine Zeitverschwendung an.“
Nikolaus Franke, Jugendreferent beim Weißen Kreuz (Begleitung von Pornografiesüchtigen)
„Ich bin hier bei der Jugendmedienschutztagung, um neue Konzepte zu sehen. Denn die Arbeit von Prävention und Kompetenzvorbeugung erweist sich als schwierig.
Wir müssen eine Mauer zwischen Pornografie und den Jugendlichen aufbauen. Dies ist schwer und mit großen Kosten verbunden.
Ich vermisse ein bisschen die Zielkonzeptierung und ein bisschen das konstruktives Reiben. Dennoch bin ich sehr zufrieden mit dem Seminar. Man könnte es kurz mit ‚mehr Mut zur Tat‘ umreißen.“

 

Von Manuel Wamsler