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Cybermobbing – Betrifft den Jugendmedienschutz?

Mittwoch, November 30th, 2011

Dass Mobbing ein Problem an vielen Schulen ist, ist allen bewusst. Aber Cybermobbing? Mobbing über das Internet? Da kann man doch einfach wegschauen, ausschalten, man muss ja nicht bei facebook mitmachen. Ist das wirklich ein Problem für viele Jugendliche?

Das Problem beim Cybermobbing ist, dass es so einfach ist. Man muss gar kein Schlägertyp mit vielen Brüdern mehr sein, auch nicht unbedingt größer als das Mobbingopfer. Ein paar Freunde die die eigenen facebook-Kommentare „liken“ und etwas Geschick im Umgang mit dem Internet reichen aus, um eine große Öffentlichkeit zu erreichen. Man braucht auch nicht mehr so viel Selbstbewusstsein, im Zweifel kann man sogar anonym mobben – das Internet macht‘s möglich. Und Lehrer, die eingreifen können, gibt es im Internet natürlich auch nicht.

In der Wissenschaft ist Cybermobbing ein bekanntes Problem. So bekannt, dass dieses Phänomen bereits in acht Typen unterteilt wurde. Hier geht es von Belästigung und die Verbreitung von Gerüchten über Cyberstalking bis zur Androhung von Gewalt.

Die niedersächsische Landesmedienanstalt hat 2008 zu dem Thema geforscht und herausgefunden, dass besonders das Bloßstellen von anderen Jugendlichen weit verbreitet ist. Es werden peinliche Fotos und Videos hochgeladen, die typischen Szenen: Mädchen wird heimlich unter den Rock gefilmt, besoffene Jugendliche werden bei Peinlichkeiten fotografiert. Und dann landet alles bei facebook, bevor das Opfer selbst etwas merkt haben es schon viele andere gesehen und weiterverbreitet.

Ein anderes Phänomen ist die sogenannte „Impersonation“. Bei SchülerVZ wird ein Fake-Account erstellt. Ein netter junger Typ im Alter des Mobbing-Opfers, ähnliche Interessen. Das Mobbing-Opfer wird so angeschrieben, sie tauschen sich aus, intime Details werden preisgegeben. Ein beliebtes Spiel, gerade mit Jugendlichen, die auch in der Schule eher unbeliebt sind und sich so gegenüber vermeintlichen Freunden gerne öffnen.

Und was sagen die Jugendlichen selbst dazu? Die Konsequenzen sind vielen bewusst. Sie wissen, dass auch mögliche spätere Arbeitgeber Fotos auf facebook sehen können und dass das nicht förderlich für einen guten Ruf ist. Aber viele sagen auch, dass das ja nur Spaß ist und dass sie natürlich aufhören „wenn’s weh tut“ und Fotos auch wieder löschen. Also alles halb so schlimm?

Fraglich, dass das alle Mobbing-Opfer so sehen. Laut einer Forsa-Studie aus diesem Jahr leidet jeder dritte Jugendliche aus NRW unter Cybermobbing. Und die Dunkelziffer ist vermutlich noch höher. Für Jugendliche ist es gar nicht so einfach sich einzugestehen, dass sie Mobbing-Opfer sind. Viele schweigen das Thema lieber weg.

Aber was kann man denn nun dagegen tun?

Der Medienpädagoge Jürgen Ertelt ist Teilnehmer der Jumeta. Für ihn ist Cybermobbing kein primäres Jugendmedienschutz-Problem. Vielmehr müsste es darum gehen, dass Jugendliche lernen, das Netz sinnvoll zu nutzen. Sperren und Filter sind seiner Meinung nach wenig sinnvoll, gerade beim Thema Cybermobbing bringen sie nichts. Er sieht Chancen darin, Jugendliche aufzuklären und zu sensibilisieren. Und auch darin, mehr Möglichkeiten zu schaffen. Wenn es mehr Entwicklungsmöglichkeiten für Jugendliche gibt und z.B. Jugendtreffs wieder attraktiver werden, wird auch das Mobbing aus Langeweile abnehmen.

Von Katrin Rulle