Archive for the ‘Bericht’ Category

FSK, FSM, FSF, USK – eine unsinnige Tradition?

Donnerstag, Dezember 1st, 2011

Selbstkontrollen geben Richtwerte, an denen sich Eltern orientieren können, sei es bei Filmen, Computerspielen, Fernsehen oder Unterhaltungssoftware. Aber wie sinnvoll sind diese Kontrollen eigentlich überhaupt?

Christian Scholz alias Mr Topf stellt dieses traditionelle Klassifizierungssystem klar in Frage. Seiner Meinung nach nehme man den Eltern damit die Aufgabe, sich selbst zu erkundigen. Seine Behauptung, die Organisationen würden nicht ihre Altersrichtlinie begründen, wird allerdings schnell von Regina Käseberg und Dr. Haase entkräftet.

Tatsache ist: Kaum ein Bürger nimmt Notiz von den kleinen Symbolen, die anzeigen, welche schädlichen Inhalte in Spielen und Filmen enthalten sind. So sind sie nicht fähig, die grauen Zeichen den Begriffen ‚bad language‘ und Gewaltverherrlichung zuzuordnen. Wer sich das alles nochmal genau durchlesen will, stößt im Internet auf begründete Fließtexte, die alle Aspekte für die FSK-Wertung aufzählen.

Scholz ließ sich davon nicht überzeugen. Dieses System diene dem Staat nur dazu, eine Aktivität im Bereich Jugendmedienschutz vorweisen zu können, war die deutliche Ansage. Er erwähnte außerdem die fraglichen Internetfilter, die von Jugendlichen mit der nächstbesten gegoogelten Anleitung entkräftet werden könnten.
Allgemein seien Einschränkungen im Internet völlig zwecklos für eine Generation, die mit diesem Medium aufgewachsen ist und sich bestens damit auskennt. So sei die Idee mit einem Altersklassifizierungssystem für das Internet kaum produktiv, da Anbieter ihre Inhalte meist falsch einschätzen würden. Sabine Frank konterte allerdings, dass das System vorallem dazu diene, die Anbieter, die ihre Seiten falsch klassifizierten, zur Rechenschaft zu ziehen.

Das Gespräch wurde letzendlich damit geschlossen, dass eine Abschaffung der allseits bekannten FSK-Regelung absurd wäre. Außerdem sei die von Herr Scholz bemangelte Transparenz vorhanden, sodass nur noch eine Frage offen bleibt: Ob Eltern ihre Pflicht übernehmen und mit ihren Kindern persönlich über problematische Inhalte diskutieren, anstatt grob die Richtwerte zu überfliegen.

Von Kim Ly Lam

Podium „Medienpolitischer Ausblick“

Donnerstag, Dezember 1st, 2011

Das zweite Podium vom Donnerstag, „Medienpolitischer Ausblick“, hat einen Abschluss für die „Jugendmedienschutztagung“ geliefert. Es wurde viel diskutiert und doch sind sich am Ende die meisten zumindest in einem Punkt einig: Jugendmedienschutz ist wichtig und es muss noch weiter dafür gearbeitet werden.

Dr. Arne Wulff, Chef der Staatskanzlei Schleswig-Holstein, plädiert für klare Verbote. Für ihn ist das Problem, dass es zu klären gilt, nicht der Wert selbst, sondern die Umsetzung. Er glaubt nicht daran, dass sich durch Digital Natives (Menschen die mit Medien aufwachsen) das Problem früher oder später von selbst lösen wird. Er sieht Technologie im ständigen Wandel. Er sieht in der Zukunft die Notwendigkeit, dass die virtuelle Welt reguliert wird, dass Medienkompetenz besonders an jene, die sich selbst nicht darum kümmern, vermittelt wird, und dass sich eine Medienkultur entwickelt, damit die jungen Menschen wissen, was sich gehört und was nicht. Außerdem muss auch im Internet ein Gestaltungsspielraum frei gelassen werden, ähnlich wie beim Fernsehen, wo die Eltern selber entscheiden dürfen, ob sie sich an die Altersempfehlung halten. Dazu ist auch eine Ausarbeitung zwischen dem Zusammenhang von Fernsehen und Internet nötig.

Dr. Thomas Bellut, Programmdirektor des ZDF, sieht das Problem auch in der Umsetzung: „Wir haben Systeme und Gesetze, aber die Umsetzung ist schwer. Wir müssen uns der Diskussion stellen.“ Er befürwortet, dass der KIKA beispielsweise nicht unter kommerziellem Druck steht, sondern jugendfreundliches Programm sendet.

Hr. Kreisisk, von der Staatskanzlei Baden-Württernberg, fordert, dass Jugendschutzprogramme noch mehr durchleuchtet werden. Er sieht für jeden einzelnen eine Eigenverantwortung. „Die Wirtschaft akzeptiert Jugendmedienschutz wenn sie selbst davon einen Vorteil haben.“

Thomas Fuchs, DLM, sieht in der Zukunft  pragmatisches Handeln. „Wir müssen nicht auf den großen Wurf warten. Wir müssen mit kleinen Staatsverträgen beginnen und auf deren Basis noch weiterentwickeln.

Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, fordert zumindest normative Verbote. „Woher kommen normative Grundlagen unserer Gesellschaft?“ Für ihn ist das eine Frage der Frömmigkeit.

Abschließend lässt sich sagen, dass unser bestehender Jugendschutz bereits gut ist, aber definitiv noch ausbaufähig.

Von Deborah Mateja

Selbstregulierung statt Gesetze

Donnerstag, Dezember 1st, 2011

Auch am ersten Dezember wurde wieder angeregt im ZDF Sendezentrum bei der der Podiumsdiskussion zum Thema „Bausteine eines zukunftsfähigen Jugendmedienschutzes: Richtungsweisende Impulse – ja oder nein?“ diskutiert. Zu Gast in der Expertenrunde saßen Professor Gunnar F. Schuppert , Professor Barbara Thomaß, Regina Käseberg und Manfred Krupp.

Professor Schuppert im GesprächAuf Grundlage der vorhergegangenen Rede Schupperts eröffnete Moderator Dr. Stumpf die Diskussion.  In dieser war vor allem eins Thema: Wie soll man zukünftig Jugendmedienschutz angehen? Soll man das alte System nur überarbeiten, oder alles neu umkrempeln? Während Gesetzgebung immer nachlaufend sein wird und sich die Medien zu schnell entwickeln werden, so Schuppert, müsse man andere Wege gehen und das Ganze überdenken.  Frau Käseberg und Herr Krupp vertraten die Meinung, man solle das alte, funktionierende System auf sich beruhen lassen, und sich auf die neuen Aufgaben konzentrieren. Dagegen forderten Frau Thomaß und Herr Schuppert, die alten Gesetze neu zu überdenken, da sich die Ansichten zu den Medien geändert haben. Während sich die Diskussion sehr auf neue Möglichkeiten beschränkte, wurde das Thema Internetfilter nicht angesprochen.  So versuchte Krupp erneut auf die Möglichkeit der Selbstregulierung hinzuweisen.  Man müsse Jugendliche auf einer für sie ansprechende Kommunikationsebene , wie Sprache, Musik und Bilder ansprechen um sie von der freiwilligen Selbstkontrolle zu überzeugen. Hierzu müssen jedoch auch Möglichkeiten außerhalb der „Zwangseinrichtung“ Schule, so Thomaß eingerichtet werden. Käseberg ergänzt, ein Jugendzentrum ohne Internet spricht heut zu Tage keine Jugendlichen mehr an. Vor allem würde man so auch die Medienkompetenz von benachteiligten Jugendlichen effektiver fördern.  Dies geschieht jedoch auf Kommunalebene und ist schwer bundesweit umzusetzen.

Ein Einwand von Herr Krupp war, man müsse ganz klar auch das positive in den neuen Kommunikationsmedien sehen und nicht nur immer über die Gefahren nachdenken.  „Ich bin neidisch, dass ich damals keine Möglichkeiten wie Facebook hatte und deswegen nicht die Chance habe, wie meine Töchter in Kontakt mit Freunden weltweit zu bleiben“, so Krupp.  Eine Kommunikationsverhindung ist keine Lösung, vielmehr müsse man in die Weiterbildung von Lehrkräften investieren, wie auch weiter Mittel in Jugendzentren zur Prävention von medialen Gefahren bereitstellen.

Abschließend fasste Moderator Dr. Stumpf vom WDR zusammen, dass  Jugendschutz viel mehr Ansehen genießen sollte als Marktwert, als ständig auf Quote und finanziellen Erfolg ab zu zielen. Auch dies unterstreicht Krupp mit einem eigenen Beispiel und erwähnt, wie damals eine Erstausstrahlung, welche ab 12 Jahren freigegeben wurde, erst um 23 Uhr ausgestrahlt wurde. Hierbei verzichtete der Sender auf geschätzte 4 Millionen Zuschauer, schaut jedoch auf eine positive Rückmeldung in Bezug auf den Jugendschutz zurück.

Klar zu erkennen ist, dass diese Experten nicht der Auffassung sind, durch geänderte Gesetze den Jugendschutz in der Zukunft zu sichern, sondern auf Prävention und Selbstregulierung setzen wollen.

Von Anna Stunic und Manuel Wamsler

„Der schönste Job für Studenten“

Donnerstag, Dezember 1st, 2011

Die zweitägige Jugendmedienschutztagung 2011 beim ZDF in Mainz wird von vielen Hosts und Hostessen begleitet. Sie sorgen dafür, dass die Referenten zu den Räumen finden, die Gäste ihre Garderobe abgeben können und die Taxis pünktlich kommen.
Dies sind ihre Geschichten.

Mathis Hartmann ist Student und kann sich keinen besseren Nebenjob vorstellen als beim ZDF. Er ist Host. „Ich fühle mich hier sehr wohl. Das ist der beste Studentenjob, den man sich vorstellen kann. Auch der Arbeitslohn ist perfekt und die Leute sind äußerst nett.“

Hans-Joachim Steinmetz aus der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit lobt die Freiheit der öffentlich-rechtlichen Sender: „Wir brauchen Geld, um Programm zu machen. Kommerzielle Sender brauchen Programm, um Geld zu machen.“
„Das ZDF hat sichere Einnahmen und muss, anders als die Privatsender, nicht jede Ausgabe rechtfertigen. Deswegen sind beim ZDF die Arbeitsbedingungen günstiger, “ erklärt Mathis.

Katharina Schmidt arbeitet als Hostesse. Neben ihrem Masterstudium Management arbeitet sie nun schon fast zwei Jahre in Mainz. „Im April muss ich mich leider verabschieden, da die Arbeitsverträge für Hostessen höchstens zwei Jahre laufen.“ Im Sommer hilft sie jeden Sonntag beim Fernsehgarten. Auch dort trifft sie auf prominente Persönlichkeiten.

Für Sara Afschar-Hamdi begann die Arbeit mit einer Tragödie. Ihr erstes „Wetten, dass…?“ im Dezember 2010 war für sie „prägend“. Damals stürzte Samuel Koch bei einer Wette unglücklich und die Live-Sendung wurde abgebrochen. „In der Situation war ich ganz perplex. Aber wir mussten uns natürlich um die Zuschauer vor Ort kümmern. Die sind reihenweise zusammen gebrochen.“ Sie lobt das vorbildliche Verhalten des Senders, der die Sendung sofort unterbrochen hat.

Sie alle arbeiten nicht nur gerne für das ZDF, gelegentlich nutzen sie auch mit großer Freude das ZDF-Programm.

Von Deborah Mateja und René Reile

Neue ZDF-Studie belegt Angst vor dem Internet

Donnerstag, Dezember 1st, 2011

Pünktlich zur Jugendmedienschutztagung stellten ZDF-Medienforschung und Hans-Bredow-Institut eine brandneue Studie zum Thema vor. Gerlinde Schumacher, eine der Hauptverantwortlichen für die Durchführung der Studie, betonte die Relevanz der Erhebung, die eine Lücke in der Medienforschung schließt: „Es gibt bisher so gut wie keine Studie, die auf die Eltern fokussiert ist.“
Die Besonderheit ist zudem, dass die Eltern zu allen Medien befragt wurden. So sollte ein sorgfältiges und vollständiges Bild von Medienängsten, -sorgen und -bedrohungen erzeugt werden.

In Zusammenarbeit mit einigen Meinungsforschungsinstituten befragte das ZDF telefonisch 750 Personen, die selbst mindestens ein Kind im Alter von 3-17 Jahren haben.

Das Schwierigste beim Design der Studie, so die Leiterin der ZDF Medienforschung Susanne Kayser, war der Entwurf des Fragebogens: „Wie erfassen Sie Medienkompetenz? Wir können die Eltern ja nicht einfach fragen ‚Glauben Sie, Ihre Kinder sind medienkompetent?'“ Die Lösung für dieses Problem wurde in einer allgemeiner formulierten Aussage gefunden, der die Befragten je nach Wichtigkeit 1-5 Punkte zuweisen sollten.

Eins der eindeutigsten Untersuchungsergebnisse, so Schumacher, konnte bei den Sorgen der Eltern 12-13jähriger Kinder gemacht werden. Gerade in diesem Alter hätten die Eltern am meisten Angst, dass die Zöglinge negativ durch ihren Medienkonsum beeinträchtigt werden könnten. „Das liegt natürlich auch in der Natur der Sache“, erklärt Schumacher: „Auf der Schwelle zur Pubertät ist die Sorge am größten, dass sich die Kinder von ihren Eltern entfernen.“ Zudem herrsche auch gerade in dieser Zeitperiode ein großes Misstrauen der Eltern vor dem Internet.

Das Internet nehme sowieso mittlerweile eine besondere Rolle ein, so Kayser: „Wir sprechen beim Internet nicht von einem Medium, sondern von einem Meta-Medium.“ Das bedeute, dass das weltweite Netz viele analoge und digitale Medien zusammenfasse – Zeitungen lassen sich also ebenso konsumieren wie Fernsehen und Radio.

Deswegen seien die gesellschaftlichen Veränderungen, die das Meta-Medium Internet mit sich bringe, wesentlicher als beim Aufkommen anderer Medien. Die Menschen fürchteten damals zwar den Einfluss des Buchdrucks genauso wie sie Comics zunächst pauschal verurteilten und auch dem Fernsehen skeptisch gegenüberstanden.
Doch dass das Internet ein gefährlicheres Medium ist, sieht Kayser auch mit der neuen Studie als bewiesen an: „Cyber-Mobbing hat zum Beispiel viel verheerendere Wirkungen als das Mobbing auf dem Schulhof.“ Unter dem Deckmantel der Anonymität und angesichts der rasend schnellen Verbindung mit vielen anderen „Freunden“ in sozialen Netzwerken sei die Verbreitung von diffamierendem Material einfacher, die Hemmschwelle sei niedriger.

Die Befragung der Eltern ergab zudem, dass die Sorgen auch gerade auf negativen Erfahrungen der Kinder beruhten. Demnach wurden 60% der 12-15 Jährigen bereits Opfer von Datenmissbrauch, Cyber-Mobbing, Gewaltdarstellungen oder sexueller Belästigung im Internet.

Die Verantwortung, aus diesen alarmierenden Ergebnissen Konsequenzen zu ziehen, sehen die Eltern selbst meist bei sich (weit über 90%). Doch auch Internetanbieter und die Politik sollen mit in die Pflicht genommen werden – genauso wie die Schulen: „Medienkompetenz sollte kein freiwilliges Lernziel an den Schulen sein“, sagt Susanne Kayser. Das leidige Thema mit dem Schulfach „Internet“ umgeht ihre Kollegin Schumacher hingegen mit dem Hinweis, dass in jedem Fach eine Einbindung der modernen Medien sinnvoll und notwendig sei. So sei eine Schulung auch im Rahmen von Mathe- und Sachkundeunterricht möglich.

 

Von Christoph Henrichs

Medienkompetenz – Wer? Wie? Wo? Was?

Donnerstag, Dezember 1st, 2011

 

Alle sprechen über Medienkompetenz. Sie ist wichtig.  Sie muss gestärkt werden. Aber von wem eigentlich? Und: Was ist das jetzt genau?

Darüber diskutieren Prof. Dr. Barbara Thomaß, Medienwissenschaftlerin der Uni Bochum, und Jürgen Ertelt, Sozial- und Medienpädagoge. Barbara Thomaß sieht die Medienkompetenz als einen „Teil von Lebenskompetenz“. Hier knüpft auch Jürgen Ertelt an. Für ihn ist wichtig, dass die neuen Medien angstfrei genutzt werden und produktiv mit ihnen umgegangen wird. Er wünscht sich eine aktive Auseinandersetzung und nicht nur die Beschränkung auf die Risiken.

Die Diskutanten sind sich einig, dass es zu engstirnig gedacht ist, wenn Medienkompetenz nur durch Lehrer vermittelt werden soll. Vielmehr müssen auch diese geschult werden. Die Art der Medienkompetenz hängt von vielen Faktoren wie Bildung und Alter ab. Jugendliche müssen in anderen Dingen geschult werden, als zum Beispiel Lehrer. Deshalb ist die Frage: Wer braucht welche Fähigkeit? Und wie kann sie vermittelt werden? Jürgen Ertelt fordert „Keine Bildung ohne Medien“ – also Medien auch in der Schulung von Lehrer und Erziehern.

Es besteht ein permanentes Spannungsverhältnis zwischen dem Jugendmedienschutz und dem Tabubruch, der von den Jugendlichen selbst begangen wird. Aber, so Thomaß, dieses Spannungsverhältnis müssen wir aushalten. Und dass es vielleicht gar nicht so kritisch ist, wie ihn Erwachsene gerne sehen, zeigt die Jugendschutz-Studie von Prof. Uwe Hasebrink. Hier kam heraus, dass Kinder mit einer höheren Medienkompetenz natürlich häufiger mit sogenannten Risiken in Kontakt treten (z.B. mit Mobbing oder auch Erotik im  Netz) aber diese auch als weniger belastend bewerten. Also sind Kinder die sich nicht frei im Internet bewegen dürfen, also weniger Erfahrung haben, viel verletzlicher als andere.

Also wieder ein Argument, die Medienkompetenz zu stärken. Aber wer soll das jetzt genau tun? Jürgen Ertelt sieht hier auch die Notwendigkeit, darüber zu diskutieren, wie wir in Zukunft mit der digitalen Welt leben wollen. Wir können das Internet selbst so gestalten, dass es die Welt lebenswerter macht – und in dem Zusammenhang auch den Medienschutz diskutieren.

Auch Barbara Thomaß sieht die Schulung der Medienkompetenz eher als eine Querschnittsaufgabe und sagt, dass einzelne Projekte zwar gut sind, aber nicht ausreichen. Hier sieht sie die Schulen in der Verantwortung. Diese müssten ernsthaft Medienkompetenz schulen. Und zwar nicht in einem einzelnen Fach, sondern allumfassend. Auch Ertelt fordert, dass Medien als selbstverständlich angesehen werden müssen und deshalb bereits ab dem Kindergarten eingebunden werden sollten. Er plädiert auch dafür, dass Medienkompetenz verpflichtend in die Lehrpläne aufgenommen werden soll. Bisher ist dies rechtlich nur in Hamburg geregelt.

Also: Muss Medienkompetenz-Schulung vor allem bei den Lehrern ansetzen?

Von Katrin Rulle

Argumente im Überblick: Diskussion zu gesetzlichen Verboten

Mittwoch, November 30th, 2011

Bei der Jumeta diskutierten Dr. Wolfgang Schulz vom Hans-Bredow Institut und der Rechtsanwalt Marko Dörre über den Sinn von gesetzlichen Verboten zum Jugendmedienschutz.

Zunächst stellte Schulz klar, dass Jugendmedienschutz die Menschenwürde gewährleisten solle. Das heißt, er möchte gefährdenden Inhalt nicht nur zum Schutz der Kinder und Jugendlichen sperren, sondern für alle Menschen. Denn pornografische oder gewaltverherrlichende Inhalte verletzten die Menschenwürde.

Schulz brachte die Meinung zum Ausdruck, dass es schwierig sei, Kinder und Jugendliche nach Alter zu gruppieren, da sie sich alle verschieden schnell entwickeln. Trotzdem müsse der Jugendschutz sich auf die Altersfreigaben stützen, denn ansonsten hätte man gar keinen Anhaltspunkt, bis zu welchem Zeitpunkt man Kinder und Jugendliche von gefährdenden Inhalten fernhalten muss.

Herr Dörre argumentierte hingegen, dass es auch die Menschenwürde verletzen würde, wenn man erwachsene Personen davon abhielte sich frei im Internet zu bewegen, und sie gegen ihren Willen von Informationsquellen jeglicher Art fernhielte: Für Menschen ab 18 sollten alle Inhalte frei zugänglich sein. Zudem ließ er die Zuhörer wissen, dass manche Punkte im Jugendschutzgesetz unnötig seien, da sie zusätzlich noch im Strafgesetz auftauchen würden.

Herr Dr. Schulz brachte ganz klar zum Ausdruck, dass er nicht dieser Meinung sei. Weiter erklärte er, dass selbst Inhalte, die nur für bereits gefährdete Jugendliche beeinträchtigend wirken könnten, gesperrt werden sollte. ?Man müsse alles dafür tun diese zu schützen, selbst wenn dafür die Mehrheit der Personen, für die diese Inhalte nicht gefährlich wären, diese nicht mehr aufrufen könnten.

Dörren kommentierte das kritisch: Diese Ansicht sei übertrieben. Nichtsdestotrotz müsse man das Risiko, dass Jugendliche Schäden durch Medien davon tragen, soweit wie möglich verringern.
Zudem könne man auch nicht mit dem Jugendschutz von anderen Ländern argumentieren, da jedes Land durch seine verschiedenen Kulturen, unterschiedliche Ansichten zu dem Thema hätten. Jedes Land empfände andere Inhalte als besonders „schlimm“. Daher sei es auch gut, dass der deutsche Jugendschutz, den Dörren als „schizophren“ bezeichnete, sehr vielseitig ist.

Daraufhin trat Professor Uwe Hasebrink vom Hans-Bredow-Institut auf die Bühne. In seiner Rolle als „Lotse“ stellte er Statistiken aus einer Studie vor, die besagten, dass den Eltern in Deutschland Jugendmedienschutz, unabhängig von dem Alter ihres Kindes, sehr wichtig sei.

Er erklärte außerdem, dass die Eltern ihre Kinder ebenfalls durch Verbote vor gefährdenden Inhalten schützen, und dass sie sich erhoffen, dass auch die Politik mehr für Jugendmedienschutz täte.

Jetzt ergriff Herr Dörren wieder das Wort. Seiner Meinung nach sei es vor allem wichtig, die Jugendlichen und Kinder in Sachen Medien kompetenter zu machen. Auch die Eltern müsse man aufklären. Denn wenn die Jugend aufgeklärt sei, dann wären gesetzliche Verbote überflüssig. Er bezog sich dabei vor allem auf Social Network Plattformen.

Herr Schulze erklärte daraufhin, dass es zwar wichtig sei die Jugend aufzuklären, dies jedoch nicht ausschließt, dass es Verbote zu Verbreitung gefährdender Inhalte gebe.

Von Anna Stunic

Er sieht vor lauter Paragraphen die Pornos nicht

Mittwoch, November 30th, 2011

– Wie der Gesetzgeber mit vielen Regeln wenig schützt –

Web 2.0: Schnell, überall, für jedermann. Facebook, Twitter und Co. erlauben es in Echtzeit mit Freunden am anderen Ende der Welt zu chatten, Urlaubsfotos zu teilen und Kontakt zu halten. Auf Youtube können Familienfilme eingestellt werden. Wikipedia sorgt für den uneingeschränkten Wissenszugriff überall und zu jeder Zeit. So rasant und frei der Medienkonsum 2.0 ist, so alt, langsam und ineffizient gestaltet sich der  Jugendmedienschutz 2.0. Die einzige Antwort auf die Schattenseiten der neuen Freiheit scheint zu sein: Paragraphen, Paragraphen und nochmals Paragraphen.

Vier verschiedene Gesetzbücher versuchen derzeit Kinder und Jugendliche vor Gewalt, Pornografie und Datenmissbrauch in den Medien zu schützen. Der Rundfunkstaatsvertrag, der Jugendmedienschutzstaatsvertrag (JMStv), das Jugendschutzgesetz sowie Teile des Strafgesetzbuches. Bei zahlreichen Verweisungen, Ausnahmen, Differenzierungen und schwulstigen Formulierungen  wissen selbst Juristen oft nicht, welches Gesetz wann und bei welchem Medium Anwendung findet. Von Medienanbietern und Nutzern ganz zu Schweigen. Wird ein Porno einem Kind beispielsweise per E-Mail  zugesendet, kommt das Jugendschutzgesetz zur Anwendung. Kann sich der gleiche Minderjährige den selben Film auf einer Internetseite anschauen, regelt der Jugendmedienschutzstaatsvertrag mit eigenen Regeln diesen Verstoß. In beiden Fällen zusätzlich einschlägig sind die Gesetze des Strafgesetzbuchs. Viele Experten sind sich daher sicher: der Jugendmedienschutz ist tot-normiert.

Dr. Murad Erdemir von der Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien Hessen plädiert in einem 10-Punkte-Plan dafür, die gesamte Öffentlichkeit stärker in die Verantwortung zu nehmen. „Alle Regelungen laufen ins Leere, wenn Eltern Erwachsenen-DVDs offen auf dem Couchtisch liegen lassen oder ihre Kinder nachts unbeaufsichtigt Fernsehen schauen dürfen. Es gilt daher alle Beteiligten ins Boot zu holen“, so der Jurist. Anstatt staatlich einzelne Seiten zu sperren, schwebt ihm ein Modell vor, in dem die User einer unabhängigen Stelle bedenkliche Internetseiten melden können. Auch Filmaufnahmen von der Hinrichtung Saddam Husseins seien auf Druck der Web-Community von einer Videoplattform gelöscht worden. „Ausgegangen werden muss immer von einem freien, unbeschränkten Internet, das durch einfache, gesetzliche Normen begrenzt werden kann“, stellt Erdemir klar.

Rechtsanwalt Marko Dörre vergleicht die derzeitige Überregulierung des Jugendmedienschutzes mit einem Rasenmäher, mit dem der Gesetzgeber undifferenziert die Grundrechte zurechtstutze. „Kann es politisch und juristisch gewollt sein, dass wir die Mehrheit zugunsten einer Minderheit (die Jugend, Anm. d. Red.) einschränken?“, fragt er kritisch. Eine solche Praxis sei vor allem aufgrund der Ineffizienz der derzeitigen Regelungen problematisch. „Die deutsche Rechtsaufsicht endet nunmal an den deutschen Grenzen. Das Internet funktioniert aber global“, so Dörre. Stattdessen fordert er eine Stärkung der Medienkompetenz jugendlicher Internetnutzer: „Je kompetenter die Jugend, desto weniger muss sie geschützt werden.“

Dass ein wirksamer Jugendmedienschutz allein durch Pädagogik gewährleistet werden kann, glaubt indessen niemand.„Ich habe es satt, dass Medienkompetenz und gesetzliche Verbote immer gegeneinander ausgespielt werden“, bringt es Prof. Wolfang Schulz vom Hans-Bredow-Institut für Medienforschung auf den Punkt. Ob eine offene Debatte hierüber ohne eine gleichzeitige „juristische Abrüstung“ erfolgen kann, darf bezweifelt werden.
Von Jan Alexander Daum

Quo vadis Jugendmedienschutz?

Mittwoch, November 30th, 2011

Die Junge Presse ist live dabei, wenn beim ZDF in Mainz  am 31. November die sechste Jugendmedienschutztagung (Jumeta) unter dem Motto „Quo vadis Jugendmedienschutz?“ eröffnet wird.

Autor: Christoph HenrichsNach einem interessanten Rundgang durch das ZDF machen sich die acht Nachwuchsjournalisten für ihre bevorstehende live Berichterstattung der sechsten Jumeta bereit und verfolgen aufmerksam die Eröffnungsveranstaltung, um später die richtigen Interviewpartner zu finden.

Das ZDF, die ARD und die Medienarbeit der evangelischen und katholischen Kirche haben verschiedene Experten zur Jumeta eingeladen. In der zweitägigen Tagung sollen vor allem die Fragen „Wie stehen Eltern zum Jugendmedienschutz?“, „Wer ist in ihren Augen dafür verantwortlich?“ und „Welche Gefahren  und Risiken sehen sie beim Umgang ihrer Kinder mit den Medien?“ diskutiert werden.

Die ZDF-Medienforschung hat in Zusammenarbeit mit dem Hans-Bredow-Institut eine repräsentative Studie erstellt, welche im Rahmen der Tagung vorgestellt wird. Wider Erwarten zeigt die Studie, dass 79%  der Eltern die Meinung vertreten, dass mediale Angebote, welche eine negative Wirkung auf Kinder haben können, nicht frei verfügbar sein sollten. Die Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen ist laut Eltern nicht zu unterschätzen, sollte jedoch durch gezieltes Erlernen, wie man am besten geschützt ist, mehr gefördert werden. Risiken wie Betrug, Pornografie und finanzielle Abzocke sehen Eltern mit fast 90% bei den 12- bis 13-Jährigen als größte Sorge. Die größte Gefahr für Kinder sehen Eltern im Bezug auf das Internet. Hierzu werden im Laufe der Veranstaltung auch verschiedene technische Möglichkeiten diskutiert und vorgestellt.  Weitere Ergebnisse der Studie sollen im Rahmen der Jumeta präsentiert werden.

Per Live-Stream können Internetuser die Tagung in der ZDFmediathek verfolgen. Außerdem hat die Band „Kunstrasen“ speziell für diese Veranstaltung ein Musikvideo mit eigenem Rap-Song erstellt, welches die Tagung hätte eröffnen sollen, wenn da nicht technische Probleme dazwischen gekommen wären.  In diesem Song ruft die Band dazu auf, dass nur durch die „Kombination aus Kompetenz und Sanktion“ Kinder und Jugendliche sinnvoll vor Medien geschützt werden können.  Wer den ganzen Song hören will, kann dies in der ZDFmediathek tun.

Gleich zu Beginn der Veranstaltung wird die Twitterbar eröffnet, welche unter #jumeta2011 zu finden ist. Hier beginnen bereits in den ersten Minuten hitzige Diskussionen über das Musikvideo und Äußerungen der Referenten.

 

Von Manuel Wamsler

Die Eröffnungsreden: „Harter, aber fairer Diskurs!“

Mittwoch, November 30th, 2011

Zur Eröffnung der Jugendmedienschutztagung wählte der Intendant des ZDF, Professor Markus Schächter, drastische Worte: Das Scheitern des Jugendmedienschutz-Staatsvertrag JMStV sei in dem einen Lager auf Genugtuung, im anderen auf blankes Entsetzen gestoßen.

Ein brisantes Thema sei der Jugendmedienschutz geworden: Die Fronten verhärtet, ein Konsens zur Zeit nicht in Sicht. Diese Worte zu Beginn der Veranstaltung sollten allerdings nicht ent- sondern ermutigen. Denn, so Schächter, „das Thema hat mich immer besonders berührt“, es liege ihm am Herzen.

Schächter forderte, dass alle Maßnahmen  verhältnismäßig und verfassungskonform sein sollten. So betone das Grundgesetz zwar freie ungehinderte Kommunikation – und dazu gelte auch das Internet – aber auch Bestimmungen zum Schutz der Jugend seien eindeutiges Verfassungsziel.

Einen Schritt weiter ging Bischof Dr. Gebhard Fürst von der Deutschen Bischofskonferenz in der zweiten Eröffnungsrede: „Brauchen wir ein Gesetz? Natürlich, eindeutig, ja!“ Allen Kindern sei eine Entwicklung frei von medialer Beeinträchtigung zu ermöglichen. Das von Schächter angedeutete Konfliktpotenzial fand sich dann auch direkt in Fürsts Ausführungen, denn er forderte eine Vereinheitlichung der Aufsichtsstrukturen – genau das hatte der ZDF-Intendant zuvor mit „sehr vielen guten Gründen“ in Frage gestellt.

Einigkeit herrschte wiederum bei der Meinung, dass ein gesellschaftlicher Diskurs auf allen Ebenen unerlässlich sei: „Die Menschen müssen die Maßnahmen verstehen und akzeptieren“, so der Bischof.

Er forderte, die Politik müsse zum Schutz der Jugendlichen in die Pflicht genommen werden, denn: „Mobbing wird nicht erst durch das Internet zu einem Problem – aber Mobbing im Internet hat ungleich dramatischere Folgen!“

Abschließend betonten die Eröffnungsredner, dass sie sich von der Jumeta Impulse sowie einen kontroversen, aber fairen Diskurs erhofften. Und am Ende sollen vor allem präventive Maßnahmen auf den Weg gebracht werden, um das Ziel zu erreichen.
Das Ziel – hatte Professor Schächter sich noch gefragt, welche Gefahren und welche Instrumentarien es überhaupt gebe, legte sich der Vertreter der katholischen Kirche schon fest: „Wir wollen, dass am Ende nicht die Netzanbieter auf der sicheren Seite stehen – sondern die Eltern und ihre Kinder.“

 

Von Christoph Henrichs