Erfrischende Vorschläge

„Jugendmedienschutz darf kein Placebo sein, das die Eltern schlucken, um sich in falscher Sicherheit zu wiegen“, sagt Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung. Er fasst in seiner Rede am Donnerstagvormittag aktuell und fundiert zusammenfasst, was am Vortag in Vorträgen und Diskussionen gesammelt wurde. Das besondere daran: Er konnte gestern gar nicht anwesend sein und die Beiträge mitverfolgen. Die Rede beweist also, dass Krüger ein kompetenter Redner ist, der zurecht auf der Jugendmedienschutztagung die Möglichkeit bekommt, seine Gedanken zu äußern.

Schade, dass er rhetorisch hinter dynamischeren Vorträgen – zum Beispiel von Professor Schuppert – zurückbleibt. Denn er trägt den Text zwar flüssig vor, doch es ist deutlich herauszuhören, dass die komplette Satzstruktur auf dem Blatt aufgedruckt ist, von dem er – so scheint es mir – nur mühsam den Blick abwenden kann. Das macht es mir ein bisschen schwieriger, ihm zuzuhören.

Dabei bietet er einige erfrischende Thesen: Die verschiedenen Selbstkontrollen sollten zusammenarbeiten, anstelle gegeneinander zu konkurrieren – und der Jugendmedienschutz sollte genauso stark in den öffentlichen wie in den privaten Sendern wirken. Außerdem solle Jugendmedienschutz gemeinsam mit den Nutzern gestaltet werden. Effizientes Risikomanagement im Internet müsste darüber hinaus gegenüber Risikoreduzierung oder gar Risikovermeidung überwiegen.

Trotz komplexer Rede: Herr Krüger ist ein gewichtiger und kompetenter Akteur, der den Jugendmedienschutz gewaltig voranbringen kann.

 

Von Kim Ly Lam

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