„Ohne Twitter wäre ich nicht hier“

Christian Scholz ist aktiver Blogger, Netzaktivist und Twitterer.
Im Interview mit der Jungen Presse kritisiert er das Konzept der Veranstaltung und gibt Einblicke in die Twitter-Welt.
Auf Twitter ist er als @mrtopf zu finden.

Sie sind bekannt als „mrtopf“ – sind Sie denn überhaupt hauptberuflicher Blogger?

Nein, ich bin Web-Entwickler und habe eine Firma in Aachen. Da entwerfe ich Webseiten, Facebook-Apps und so weiter – das Bloggen erfolgt nur nebenbei.

Und wie sind Sie zu dieser Veranstaltung gestoßen?

Woher die Einladung genau kam, weiß ich gar nicht. Ich bin einfach rund um das Thema aktiv, habe ja auch dieses Jahr das „JMStV-Camp“ organisiert. Da lernt man sich dann kennen und knüpft Kontakte.

Was halten Sie denn bisher von der Jugendmedienschutztagung?

Also so spannend ist es im Moment nicht, ich verspreche mir relativ wenig von der Veranstaltung. Statt einseitigen Vorträgen wäre es sehr viel sinnvoller, wenn alle mal miteinander sprechen und vor allem auch die Jugendlichen selbst mit einbinden. Diese Veranstaltungsform finde ich jetzt nicht besonders mitreißend.
Man hätte im Voraus die Texte der Referenten herumschicken können, dann wären alle vorbereitet und auf dem gleichen Stand gewesen. Auf der Grundlage hätte man direkt in einen Dialog eintreten können.

Da sprechen Ihnen doch sicher die Eröffnungsredner aus dem Herzen, die mehr auf gesellschaftlichen Diskurs setzen wollen, oder?

Naja, sie sprechen von einem offenen Diskurs mit der Netzcommunity. Doch statt „Netzcommunity“ könnte man doch auch „Bürger“ sagen, denn um die geht es schließlich! Aber wenn Leute nicht auf Facebook und Twitter unterwegs sind, ist ihnen diese Welt manchmal schwer zu vermitteln.
Da kommen dann so Lösungsansätze wie die Kategorisierung von Webseiten in Altersstufen, nach dem Motto ‚Wir haben das immer schon so gemacht, also bleiben wir dabei‘. Dabei bringen auch Filterprogramme bei dieser Fülle von Homepages in der ganzen Welt rein gar nichts.

Was für eine Chance bietet das Internet für den Jugendschutz?

Das Internet ist ein nachhaltigeres Medium als das Fernsehen – wenn man da etwas gesehen hat, ist es erst einmal weg und man guckt es sich meist nicht noch einmal an. Im Internet bieten sich viel mehr Möglichkeiten zur Interaktivität. Die Gesellschaft kann sich mithilfe des Internets verbreitern, wenn alle gemeinsam in einen Diskurs eintreten.

Und was für eine Rolle spielt Twitter für sie?

Twitter hat einfach den Reiz, dass man viele Menschen erreichen kann und auch schnelles Feedback bekommt. Und wenn man zur richtigen Zeit etwas postet, kann man damit regelrecht eine Welle lostreten und eine Diskussion starten. Bei einer Veranstaltung wie der Jumeta hat man die Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen. Denen folgt man dann wieder auf Twitter und so knüpft man schnell Kontakte. Ohne Twitter hätten wir Ende letzten Jahres nicht geschafft, de JMStV zu kippen. Und ohne Twitter wäre ich auch nicht hier.

Das Interview führte Christoph Henrichs

Quo vadis Jugendmedienschutz?

Die Junge Presse ist live dabei, wenn beim ZDF in Mainz  am 31. November die sechste Jugendmedienschutztagung (Jumeta) unter dem Motto „Quo vadis Jugendmedienschutz?“ eröffnet wird.

Autor: Christoph HenrichsNach einem interessanten Rundgang durch das ZDF machen sich die acht Nachwuchsjournalisten für ihre bevorstehende live Berichterstattung der sechsten Jumeta bereit und verfolgen aufmerksam die Eröffnungsveranstaltung, um später die richtigen Interviewpartner zu finden.

Das ZDF, die ARD und die Medienarbeit der evangelischen und katholischen Kirche haben verschiedene Experten zur Jumeta eingeladen. In der zweitägigen Tagung sollen vor allem die Fragen „Wie stehen Eltern zum Jugendmedienschutz?“, „Wer ist in ihren Augen dafür verantwortlich?“ und „Welche Gefahren  und Risiken sehen sie beim Umgang ihrer Kinder mit den Medien?“ diskutiert werden.

Die ZDF-Medienforschung hat in Zusammenarbeit mit dem Hans-Bredow-Institut eine repräsentative Studie erstellt, welche im Rahmen der Tagung vorgestellt wird. Wider Erwarten zeigt die Studie, dass 79%  der Eltern die Meinung vertreten, dass mediale Angebote, welche eine negative Wirkung auf Kinder haben können, nicht frei verfügbar sein sollten. Die Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen ist laut Eltern nicht zu unterschätzen, sollte jedoch durch gezieltes Erlernen, wie man am besten geschützt ist, mehr gefördert werden. Risiken wie Betrug, Pornografie und finanzielle Abzocke sehen Eltern mit fast 90% bei den 12- bis 13-Jährigen als größte Sorge. Die größte Gefahr für Kinder sehen Eltern im Bezug auf das Internet. Hierzu werden im Laufe der Veranstaltung auch verschiedene technische Möglichkeiten diskutiert und vorgestellt.  Weitere Ergebnisse der Studie sollen im Rahmen der Jumeta präsentiert werden.

Per Live-Stream können Internetuser die Tagung in der ZDFmediathek verfolgen. Außerdem hat die Band „Kunstrasen“ speziell für diese Veranstaltung ein Musikvideo mit eigenem Rap-Song erstellt, welches die Tagung hätte eröffnen sollen, wenn da nicht technische Probleme dazwischen gekommen wären.  In diesem Song ruft die Band dazu auf, dass nur durch die „Kombination aus Kompetenz und Sanktion“ Kinder und Jugendliche sinnvoll vor Medien geschützt werden können.  Wer den ganzen Song hören will, kann dies in der ZDFmediathek tun.

Gleich zu Beginn der Veranstaltung wird die Twitterbar eröffnet, welche unter #jumeta2011 zu finden ist. Hier beginnen bereits in den ersten Minuten hitzige Diskussionen über das Musikvideo und Äußerungen der Referenten.

 

Von Manuel Wamsler

Facts & figures


Heute und morgen findet in den Räumen des ZDF die Jugendmedienschutztagung 2011 statt. Ungefähr 10 Leute planen die Veranstaltng gemeinsam seit März diesen Jahres.
In der Meistermannhalle, wo die Tagung größtenteils stattfindet, sitzen ca. 230 Jugendschutzbeauftragte, Journalisten, Vertreter der Fernsehsender sowie der evangelischen und katholischen Kirche, Politiker und natürlich die Referenten.
Die Wand hinter der Bühne ist komplett aus Glas, sodass man einen traumhaften Ausblick auf das Außengelände des ZDF hat. Neben der Bühne befinden sich zwei große Bildschirme, auf denen zum Beispiel auch schon das Video vom Song zur Jumeta von „Kunstrasen“ abgespielt wurde.

Außerdem gibt es noch mehrere kleinere Bildschirme, auf denen die Live-Übertragung der drei Kameras zu sehen ist, die die Veranstaltung die ganze Zeit filmen. Die Aufnahmen kann man auch in der Mediathek des ZDF anschauen, und werden später archiviert.
Für die Gäste im Saal gibt es etwa 200 freie W-Lan Anschlüsse, von denen wir von der Jungen Presse auch schon neun Stück in Anspruch genommen haben.
Während der ganzen Tagung gehen 2 Herren des ZDF mit Mikrofonen herum, und geben den Leuten die Möglichkeit aktiv ihre Meinung beizusteuern.
Für Verpflegung ist natürlich auch gesorgt. Vor dem Konferenzsaal befindet sich ein Buffet, auf dem man Obst, und Getränke finden kann. Und zum Mittagessen gab es Kartoffelsuppe mit Würstchen.

Von Anna Stunic

Die Eröffnungsreden: „Harter, aber fairer Diskurs!“

Zur Eröffnung der Jugendmedienschutztagung wählte der Intendant des ZDF, Professor Markus Schächter, drastische Worte: Das Scheitern des Jugendmedienschutz-Staatsvertrag JMStV sei in dem einen Lager auf Genugtuung, im anderen auf blankes Entsetzen gestoßen.

Ein brisantes Thema sei der Jugendmedienschutz geworden: Die Fronten verhärtet, ein Konsens zur Zeit nicht in Sicht. Diese Worte zu Beginn der Veranstaltung sollten allerdings nicht ent- sondern ermutigen. Denn, so Schächter, „das Thema hat mich immer besonders berührt“, es liege ihm am Herzen.

Schächter forderte, dass alle Maßnahmen  verhältnismäßig und verfassungskonform sein sollten. So betone das Grundgesetz zwar freie ungehinderte Kommunikation – und dazu gelte auch das Internet – aber auch Bestimmungen zum Schutz der Jugend seien eindeutiges Verfassungsziel.

Einen Schritt weiter ging Bischof Dr. Gebhard Fürst von der Deutschen Bischofskonferenz in der zweiten Eröffnungsrede: „Brauchen wir ein Gesetz? Natürlich, eindeutig, ja!“ Allen Kindern sei eine Entwicklung frei von medialer Beeinträchtigung zu ermöglichen. Das von Schächter angedeutete Konfliktpotenzial fand sich dann auch direkt in Fürsts Ausführungen, denn er forderte eine Vereinheitlichung der Aufsichtsstrukturen – genau das hatte der ZDF-Intendant zuvor mit „sehr vielen guten Gründen“ in Frage gestellt.

Einigkeit herrschte wiederum bei der Meinung, dass ein gesellschaftlicher Diskurs auf allen Ebenen unerlässlich sei: „Die Menschen müssen die Maßnahmen verstehen und akzeptieren“, so der Bischof.

Er forderte, die Politik müsse zum Schutz der Jugendlichen in die Pflicht genommen werden, denn: „Mobbing wird nicht erst durch das Internet zu einem Problem – aber Mobbing im Internet hat ungleich dramatischere Folgen!“

Abschließend betonten die Eröffnungsredner, dass sie sich von der Jumeta Impulse sowie einen kontroversen, aber fairen Diskurs erhofften. Und am Ende sollen vor allem präventive Maßnahmen auf den Weg gebracht werden, um das Ziel zu erreichen.
Das Ziel – hatte Professor Schächter sich noch gefragt, welche Gefahren und welche Instrumentarien es überhaupt gebe, legte sich der Vertreter der katholischen Kirche schon fest: „Wir wollen, dass am Ende nicht die Netzanbieter auf der sicheren Seite stehen – sondern die Eltern und ihre Kinder.“

 

Von Christoph Henrichs