Pornografie im Internet – ein Sperrgebiet?

Pornografie und deren Sperrung sind meistens Auslöser für hitzige Gespräche, die im Rahmen der Jugendmedienschutztagung im ZDF geführt werden. Denn Jugendmedienschutz bedeutet Kinder und Jugendliche vor Inhalten zu schützen, die sie beim Aufwachsen beeinträchtigen könnten. Dazu zählen pornografische Inhalte, deren freien Zugang im Internet viele kritisch sehen.

Aufgrund der Jugendschutzbestimmung ist das Aufrufen von pornografischen Websites für Minderjährige verboten – und dennoch möglich.   Zwar wurde vorgesehen, dass Betreiber solcher Websites den Zugang zu ihren Seiten beschränken, doch ein kurzer Test zeigt, dass dies nur selten getan wird. Nur wenige Minuten braucht der Internet-User, um durch öffentliche Internetportale auf Webseiten mit sogenannten Hardcore-Pornos zugelangen und diese auch abzurufen. Ein simples Unterfangen, das die Effektivität des Jugendmedienschutzes in Frage stellt.

Die Lösung dieses Problems ist ein Balanceakt zwischen Jugendschutz und der Verletzung der Medienfreiheit durch staatliche Zensur. Über das Sperren von pornografischen Seiten wurde schon in den letzten Jahren heftig dabattiert. Die drastische Forderung der CDU nach staatlicher Kontrolle stieß auf Kritik und kostete der Partei Wähler, die von diesem Vorschlag enttäuscht gewesen waren. Dem Staat die Möglichkeit zu bieten, zu entscheiden, was die Bürger sehen dürfen und was nicht, ist ein Schritt in die Verletzung der Freiheit durch unverhältnismäßiges Eindringen des Staates.

Auch moralisch lässt das Thema einige Fragen offen. Laut Rechtsanwalt Marko Dörre gleiche die Netzsperre einem Verbot. „Verbote haben in der Politik allerdings nicht die Funktion einer Bestrafung. Viel mehr wird versucht, das, was hinter dem Verbot steht, verschwinden zu lassen.“, so der Jurist. Abgesehen davon sei die allgemeine Schutzbedürftigkeit eines Jugendlichens schwer vom Staat festzulegen, da jede Person sich geistig unterschiedlich schnell entwickeln würde. Individualität herrscht auch bei der Einstufung der Gefahr eines Inhalts, für die letzendlich nicht der Staat, sondern die Eltern verantwortlich sind.

Der Aspekt der Verantwortung, sorgte unter anderem auch für das Scheitern der Novellierung des Jugendmedienschutzstaatsvertrags (JMStV). In dieser wurde verlangt, dass Website-Betreiber die Alterseignung ihrer Seiten selbst festlegen, ein Vorgang, der den Eltern die Aufgabe genommen hätte, das wichtige Thema mit ihren Kindern persönlich durchzusprechen. Doch Jugendmedienschutz bedeutet nicht, Eltern ihre Pflicht als Erziehungsberechtigte zu nehmen; er bedeutet eine mögliche Erweiterung der Medienkompetenz von Jugendlichen in einem Raum, der sie nicht beeinträchtigt oder gar schadet. Diesen zu säubern, indem man pornografische Seiten sperrt, würde nur in einem gescheiterten Versuch des Staates enden, aktive Beteiligung an Jugendmedienschutz vorzugeben.

Von Kim Ly Lam