Selbstregulierung statt Gesetze

Donnerstag, Dezember 1st, 2011

Auch am ersten Dezember wurde wieder angeregt im ZDF Sendezentrum bei der der Podiumsdiskussion zum Thema „Bausteine eines zukunftsfähigen Jugendmedienschutzes: Richtungsweisende Impulse – ja oder nein?“ diskutiert. Zu Gast in der Expertenrunde saßen Professor Gunnar F. Schuppert , Professor Barbara Thomaß, Regina Käseberg und Manfred Krupp.

Professor Schuppert im GesprächAuf Grundlage der vorhergegangenen Rede Schupperts eröffnete Moderator Dr. Stumpf die Diskussion.  In dieser war vor allem eins Thema: Wie soll man zukünftig Jugendmedienschutz angehen? Soll man das alte System nur überarbeiten, oder alles neu umkrempeln? Während Gesetzgebung immer nachlaufend sein wird und sich die Medien zu schnell entwickeln werden, so Schuppert, müsse man andere Wege gehen und das Ganze überdenken.  Frau Käseberg und Herr Krupp vertraten die Meinung, man solle das alte, funktionierende System auf sich beruhen lassen, und sich auf die neuen Aufgaben konzentrieren. Dagegen forderten Frau Thomaß und Herr Schuppert, die alten Gesetze neu zu überdenken, da sich die Ansichten zu den Medien geändert haben. Während sich die Diskussion sehr auf neue Möglichkeiten beschränkte, wurde das Thema Internetfilter nicht angesprochen.  So versuchte Krupp erneut auf die Möglichkeit der Selbstregulierung hinzuweisen.  Man müsse Jugendliche auf einer für sie ansprechende Kommunikationsebene , wie Sprache, Musik und Bilder ansprechen um sie von der freiwilligen Selbstkontrolle zu überzeugen. Hierzu müssen jedoch auch Möglichkeiten außerhalb der „Zwangseinrichtung“ Schule, so Thomaß eingerichtet werden. Käseberg ergänzt, ein Jugendzentrum ohne Internet spricht heut zu Tage keine Jugendlichen mehr an. Vor allem würde man so auch die Medienkompetenz von benachteiligten Jugendlichen effektiver fördern.  Dies geschieht jedoch auf Kommunalebene und ist schwer bundesweit umzusetzen.

Ein Einwand von Herr Krupp war, man müsse ganz klar auch das positive in den neuen Kommunikationsmedien sehen und nicht nur immer über die Gefahren nachdenken.  „Ich bin neidisch, dass ich damals keine Möglichkeiten wie Facebook hatte und deswegen nicht die Chance habe, wie meine Töchter in Kontakt mit Freunden weltweit zu bleiben“, so Krupp.  Eine Kommunikationsverhindung ist keine Lösung, vielmehr müsse man in die Weiterbildung von Lehrkräften investieren, wie auch weiter Mittel in Jugendzentren zur Prävention von medialen Gefahren bereitstellen.

Abschließend fasste Moderator Dr. Stumpf vom WDR zusammen, dass  Jugendschutz viel mehr Ansehen genießen sollte als Marktwert, als ständig auf Quote und finanziellen Erfolg ab zu zielen. Auch dies unterstreicht Krupp mit einem eigenen Beispiel und erwähnt, wie damals eine Erstausstrahlung, welche ab 12 Jahren freigegeben wurde, erst um 23 Uhr ausgestrahlt wurde. Hierbei verzichtete der Sender auf geschätzte 4 Millionen Zuschauer, schaut jedoch auf eine positive Rückmeldung in Bezug auf den Jugendschutz zurück.

Klar zu erkennen ist, dass diese Experten nicht der Auffassung sind, durch geänderte Gesetze den Jugendschutz in der Zukunft zu sichern, sondern auf Prävention und Selbstregulierung setzen wollen.

Von Anna Stunic und Manuel Wamsler

Argumente im Überblick: Diskussion zu gesetzlichen Verboten

Mittwoch, November 30th, 2011

Bei der Jumeta diskutierten Dr. Wolfgang Schulz vom Hans-Bredow Institut und der Rechtsanwalt Marko Dörre über den Sinn von gesetzlichen Verboten zum Jugendmedienschutz.

Zunächst stellte Schulz klar, dass Jugendmedienschutz die Menschenwürde gewährleisten solle. Das heißt, er möchte gefährdenden Inhalt nicht nur zum Schutz der Kinder und Jugendlichen sperren, sondern für alle Menschen. Denn pornografische oder gewaltverherrlichende Inhalte verletzten die Menschenwürde.

Schulz brachte die Meinung zum Ausdruck, dass es schwierig sei, Kinder und Jugendliche nach Alter zu gruppieren, da sie sich alle verschieden schnell entwickeln. Trotzdem müsse der Jugendschutz sich auf die Altersfreigaben stützen, denn ansonsten hätte man gar keinen Anhaltspunkt, bis zu welchem Zeitpunkt man Kinder und Jugendliche von gefährdenden Inhalten fernhalten muss.

Herr Dörre argumentierte hingegen, dass es auch die Menschenwürde verletzen würde, wenn man erwachsene Personen davon abhielte sich frei im Internet zu bewegen, und sie gegen ihren Willen von Informationsquellen jeglicher Art fernhielte: Für Menschen ab 18 sollten alle Inhalte frei zugänglich sein. Zudem ließ er die Zuhörer wissen, dass manche Punkte im Jugendschutzgesetz unnötig seien, da sie zusätzlich noch im Strafgesetz auftauchen würden.

Herr Dr. Schulz brachte ganz klar zum Ausdruck, dass er nicht dieser Meinung sei. Weiter erklärte er, dass selbst Inhalte, die nur für bereits gefährdete Jugendliche beeinträchtigend wirken könnten, gesperrt werden sollte. ?Man müsse alles dafür tun diese zu schützen, selbst wenn dafür die Mehrheit der Personen, für die diese Inhalte nicht gefährlich wären, diese nicht mehr aufrufen könnten.

Dörren kommentierte das kritisch: Diese Ansicht sei übertrieben. Nichtsdestotrotz müsse man das Risiko, dass Jugendliche Schäden durch Medien davon tragen, soweit wie möglich verringern.
Zudem könne man auch nicht mit dem Jugendschutz von anderen Ländern argumentieren, da jedes Land durch seine verschiedenen Kulturen, unterschiedliche Ansichten zu dem Thema hätten. Jedes Land empfände andere Inhalte als besonders „schlimm“. Daher sei es auch gut, dass der deutsche Jugendschutz, den Dörren als „schizophren“ bezeichnete, sehr vielseitig ist.

Daraufhin trat Professor Uwe Hasebrink vom Hans-Bredow-Institut auf die Bühne. In seiner Rolle als „Lotse“ stellte er Statistiken aus einer Studie vor, die besagten, dass den Eltern in Deutschland Jugendmedienschutz, unabhängig von dem Alter ihres Kindes, sehr wichtig sei.

Er erklärte außerdem, dass die Eltern ihre Kinder ebenfalls durch Verbote vor gefährdenden Inhalten schützen, und dass sie sich erhoffen, dass auch die Politik mehr für Jugendmedienschutz täte.

Jetzt ergriff Herr Dörren wieder das Wort. Seiner Meinung nach sei es vor allem wichtig, die Jugendlichen und Kinder in Sachen Medien kompetenter zu machen. Auch die Eltern müsse man aufklären. Denn wenn die Jugend aufgeklärt sei, dann wären gesetzliche Verbote überflüssig. Er bezog sich dabei vor allem auf Social Network Plattformen.

Herr Schulze erklärte daraufhin, dass es zwar wichtig sei die Jugend aufzuklären, dies jedoch nicht ausschließt, dass es Verbote zu Verbreitung gefährdender Inhalte gebe.

Von Anna Stunic