Die Eröffnungsreden: „Harter, aber fairer Diskurs!“

Mittwoch, November 30th, 2011

Zur Eröffnung der Jugendmedienschutztagung wählte der Intendant des ZDF, Professor Markus Schächter, drastische Worte: Das Scheitern des Jugendmedienschutz-Staatsvertrag JMStV sei in dem einen Lager auf Genugtuung, im anderen auf blankes Entsetzen gestoßen.

Ein brisantes Thema sei der Jugendmedienschutz geworden: Die Fronten verhärtet, ein Konsens zur Zeit nicht in Sicht. Diese Worte zu Beginn der Veranstaltung sollten allerdings nicht ent- sondern ermutigen. Denn, so Schächter, „das Thema hat mich immer besonders berührt“, es liege ihm am Herzen.

Schächter forderte, dass alle Maßnahmen  verhältnismäßig und verfassungskonform sein sollten. So betone das Grundgesetz zwar freie ungehinderte Kommunikation – und dazu gelte auch das Internet – aber auch Bestimmungen zum Schutz der Jugend seien eindeutiges Verfassungsziel.

Einen Schritt weiter ging Bischof Dr. Gebhard Fürst von der Deutschen Bischofskonferenz in der zweiten Eröffnungsrede: „Brauchen wir ein Gesetz? Natürlich, eindeutig, ja!“ Allen Kindern sei eine Entwicklung frei von medialer Beeinträchtigung zu ermöglichen. Das von Schächter angedeutete Konfliktpotenzial fand sich dann auch direkt in Fürsts Ausführungen, denn er forderte eine Vereinheitlichung der Aufsichtsstrukturen – genau das hatte der ZDF-Intendant zuvor mit „sehr vielen guten Gründen“ in Frage gestellt.

Einigkeit herrschte wiederum bei der Meinung, dass ein gesellschaftlicher Diskurs auf allen Ebenen unerlässlich sei: „Die Menschen müssen die Maßnahmen verstehen und akzeptieren“, so der Bischof.

Er forderte, die Politik müsse zum Schutz der Jugendlichen in die Pflicht genommen werden, denn: „Mobbing wird nicht erst durch das Internet zu einem Problem – aber Mobbing im Internet hat ungleich dramatischere Folgen!“

Abschließend betonten die Eröffnungsredner, dass sie sich von der Jumeta Impulse sowie einen kontroversen, aber fairen Diskurs erhofften. Und am Ende sollen vor allem präventive Maßnahmen auf den Weg gebracht werden, um das Ziel zu erreichen.
Das Ziel – hatte Professor Schächter sich noch gefragt, welche Gefahren und welche Instrumentarien es überhaupt gebe, legte sich der Vertreter der katholischen Kirche schon fest: „Wir wollen, dass am Ende nicht die Netzanbieter auf der sicheren Seite stehen – sondern die Eltern und ihre Kinder.“

 

Von Christoph Henrichs