„Ohne Twitter wäre ich nicht hier“

Mittwoch, November 30th, 2011

Christian Scholz ist aktiver Blogger, Netzaktivist und Twitterer.
Im Interview mit der Jungen Presse kritisiert er das Konzept der Veranstaltung und gibt Einblicke in die Twitter-Welt.
Auf Twitter ist er als @mrtopf zu finden.

Sie sind bekannt als „mrtopf“ – sind Sie denn überhaupt hauptberuflicher Blogger?

Nein, ich bin Web-Entwickler und habe eine Firma in Aachen. Da entwerfe ich Webseiten, Facebook-Apps und so weiter – das Bloggen erfolgt nur nebenbei.

Und wie sind Sie zu dieser Veranstaltung gestoßen?

Woher die Einladung genau kam, weiß ich gar nicht. Ich bin einfach rund um das Thema aktiv, habe ja auch dieses Jahr das „JMStV-Camp“ organisiert. Da lernt man sich dann kennen und knüpft Kontakte.

Was halten Sie denn bisher von der Jugendmedienschutztagung?

Also so spannend ist es im Moment nicht, ich verspreche mir relativ wenig von der Veranstaltung. Statt einseitigen Vorträgen wäre es sehr viel sinnvoller, wenn alle mal miteinander sprechen und vor allem auch die Jugendlichen selbst mit einbinden. Diese Veranstaltungsform finde ich jetzt nicht besonders mitreißend.
Man hätte im Voraus die Texte der Referenten herumschicken können, dann wären alle vorbereitet und auf dem gleichen Stand gewesen. Auf der Grundlage hätte man direkt in einen Dialog eintreten können.

Da sprechen Ihnen doch sicher die Eröffnungsredner aus dem Herzen, die mehr auf gesellschaftlichen Diskurs setzen wollen, oder?

Naja, sie sprechen von einem offenen Diskurs mit der Netzcommunity. Doch statt „Netzcommunity“ könnte man doch auch „Bürger“ sagen, denn um die geht es schließlich! Aber wenn Leute nicht auf Facebook und Twitter unterwegs sind, ist ihnen diese Welt manchmal schwer zu vermitteln.
Da kommen dann so Lösungsansätze wie die Kategorisierung von Webseiten in Altersstufen, nach dem Motto ‚Wir haben das immer schon so gemacht, also bleiben wir dabei‘. Dabei bringen auch Filterprogramme bei dieser Fülle von Homepages in der ganzen Welt rein gar nichts.

Was für eine Chance bietet das Internet für den Jugendschutz?

Das Internet ist ein nachhaltigeres Medium als das Fernsehen – wenn man da etwas gesehen hat, ist es erst einmal weg und man guckt es sich meist nicht noch einmal an. Im Internet bieten sich viel mehr Möglichkeiten zur Interaktivität. Die Gesellschaft kann sich mithilfe des Internets verbreitern, wenn alle gemeinsam in einen Diskurs eintreten.

Und was für eine Rolle spielt Twitter für sie?

Twitter hat einfach den Reiz, dass man viele Menschen erreichen kann und auch schnelles Feedback bekommt. Und wenn man zur richtigen Zeit etwas postet, kann man damit regelrecht eine Welle lostreten und eine Diskussion starten. Bei einer Veranstaltung wie der Jumeta hat man die Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen. Denen folgt man dann wieder auf Twitter und so knüpft man schnell Kontakte. Ohne Twitter hätten wir Ende letzten Jahres nicht geschafft, de JMStV zu kippen. Und ohne Twitter wäre ich auch nicht hier.

Das Interview führte Christoph Henrichs