Neue ZDF-Studie belegt Angst vor dem Internet

Donnerstag, Dezember 1st, 2011

Pünktlich zur Jugendmedienschutztagung stellten ZDF-Medienforschung und Hans-Bredow-Institut eine brandneue Studie zum Thema vor. Gerlinde Schumacher, eine der Hauptverantwortlichen für die Durchführung der Studie, betonte die Relevanz der Erhebung, die eine Lücke in der Medienforschung schließt: „Es gibt bisher so gut wie keine Studie, die auf die Eltern fokussiert ist.“
Die Besonderheit ist zudem, dass die Eltern zu allen Medien befragt wurden. So sollte ein sorgfältiges und vollständiges Bild von Medienängsten, -sorgen und -bedrohungen erzeugt werden.

In Zusammenarbeit mit einigen Meinungsforschungsinstituten befragte das ZDF telefonisch 750 Personen, die selbst mindestens ein Kind im Alter von 3-17 Jahren haben.

Das Schwierigste beim Design der Studie, so die Leiterin der ZDF Medienforschung Susanne Kayser, war der Entwurf des Fragebogens: „Wie erfassen Sie Medienkompetenz? Wir können die Eltern ja nicht einfach fragen ‚Glauben Sie, Ihre Kinder sind medienkompetent?'“ Die Lösung für dieses Problem wurde in einer allgemeiner formulierten Aussage gefunden, der die Befragten je nach Wichtigkeit 1-5 Punkte zuweisen sollten.

Eins der eindeutigsten Untersuchungsergebnisse, so Schumacher, konnte bei den Sorgen der Eltern 12-13jähriger Kinder gemacht werden. Gerade in diesem Alter hätten die Eltern am meisten Angst, dass die Zöglinge negativ durch ihren Medienkonsum beeinträchtigt werden könnten. „Das liegt natürlich auch in der Natur der Sache“, erklärt Schumacher: „Auf der Schwelle zur Pubertät ist die Sorge am größten, dass sich die Kinder von ihren Eltern entfernen.“ Zudem herrsche auch gerade in dieser Zeitperiode ein großes Misstrauen der Eltern vor dem Internet.

Das Internet nehme sowieso mittlerweile eine besondere Rolle ein, so Kayser: „Wir sprechen beim Internet nicht von einem Medium, sondern von einem Meta-Medium.“ Das bedeute, dass das weltweite Netz viele analoge und digitale Medien zusammenfasse – Zeitungen lassen sich also ebenso konsumieren wie Fernsehen und Radio.

Deswegen seien die gesellschaftlichen Veränderungen, die das Meta-Medium Internet mit sich bringe, wesentlicher als beim Aufkommen anderer Medien. Die Menschen fürchteten damals zwar den Einfluss des Buchdrucks genauso wie sie Comics zunächst pauschal verurteilten und auch dem Fernsehen skeptisch gegenüberstanden.
Doch dass das Internet ein gefährlicheres Medium ist, sieht Kayser auch mit der neuen Studie als bewiesen an: „Cyber-Mobbing hat zum Beispiel viel verheerendere Wirkungen als das Mobbing auf dem Schulhof.“ Unter dem Deckmantel der Anonymität und angesichts der rasend schnellen Verbindung mit vielen anderen „Freunden“ in sozialen Netzwerken sei die Verbreitung von diffamierendem Material einfacher, die Hemmschwelle sei niedriger.

Die Befragung der Eltern ergab zudem, dass die Sorgen auch gerade auf negativen Erfahrungen der Kinder beruhten. Demnach wurden 60% der 12-15 Jährigen bereits Opfer von Datenmissbrauch, Cyber-Mobbing, Gewaltdarstellungen oder sexueller Belästigung im Internet.

Die Verantwortung, aus diesen alarmierenden Ergebnissen Konsequenzen zu ziehen, sehen die Eltern selbst meist bei sich (weit über 90%). Doch auch Internetanbieter und die Politik sollen mit in die Pflicht genommen werden – genauso wie die Schulen: „Medienkompetenz sollte kein freiwilliges Lernziel an den Schulen sein“, sagt Susanne Kayser. Das leidige Thema mit dem Schulfach „Internet“ umgeht ihre Kollegin Schumacher hingegen mit dem Hinweis, dass in jedem Fach eine Einbindung der modernen Medien sinnvoll und notwendig sei. So sei eine Schulung auch im Rahmen von Mathe- und Sachkundeunterricht möglich.

 

Von Christoph Henrichs

Quo vadis Jugendmedienschutz?

Mittwoch, November 30th, 2011

Die Junge Presse ist live dabei, wenn beim ZDF in Mainz  am 31. November die sechste Jugendmedienschutztagung (Jumeta) unter dem Motto „Quo vadis Jugendmedienschutz?“ eröffnet wird.

Autor: Christoph HenrichsNach einem interessanten Rundgang durch das ZDF machen sich die acht Nachwuchsjournalisten für ihre bevorstehende live Berichterstattung der sechsten Jumeta bereit und verfolgen aufmerksam die Eröffnungsveranstaltung, um später die richtigen Interviewpartner zu finden.

Das ZDF, die ARD und die Medienarbeit der evangelischen und katholischen Kirche haben verschiedene Experten zur Jumeta eingeladen. In der zweitägigen Tagung sollen vor allem die Fragen „Wie stehen Eltern zum Jugendmedienschutz?“, „Wer ist in ihren Augen dafür verantwortlich?“ und „Welche Gefahren  und Risiken sehen sie beim Umgang ihrer Kinder mit den Medien?“ diskutiert werden.

Die ZDF-Medienforschung hat in Zusammenarbeit mit dem Hans-Bredow-Institut eine repräsentative Studie erstellt, welche im Rahmen der Tagung vorgestellt wird. Wider Erwarten zeigt die Studie, dass 79%  der Eltern die Meinung vertreten, dass mediale Angebote, welche eine negative Wirkung auf Kinder haben können, nicht frei verfügbar sein sollten. Die Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen ist laut Eltern nicht zu unterschätzen, sollte jedoch durch gezieltes Erlernen, wie man am besten geschützt ist, mehr gefördert werden. Risiken wie Betrug, Pornografie und finanzielle Abzocke sehen Eltern mit fast 90% bei den 12- bis 13-Jährigen als größte Sorge. Die größte Gefahr für Kinder sehen Eltern im Bezug auf das Internet. Hierzu werden im Laufe der Veranstaltung auch verschiedene technische Möglichkeiten diskutiert und vorgestellt.  Weitere Ergebnisse der Studie sollen im Rahmen der Jumeta präsentiert werden.

Per Live-Stream können Internetuser die Tagung in der ZDFmediathek verfolgen. Außerdem hat die Band „Kunstrasen“ speziell für diese Veranstaltung ein Musikvideo mit eigenem Rap-Song erstellt, welches die Tagung hätte eröffnen sollen, wenn da nicht technische Probleme dazwischen gekommen wären.  In diesem Song ruft die Band dazu auf, dass nur durch die „Kombination aus Kompetenz und Sanktion“ Kinder und Jugendliche sinnvoll vor Medien geschützt werden können.  Wer den ganzen Song hören will, kann dies in der ZDFmediathek tun.

Gleich zu Beginn der Veranstaltung wird die Twitterbar eröffnet, welche unter #jumeta2011 zu finden ist. Hier beginnen bereits in den ersten Minuten hitzige Diskussionen über das Musikvideo und Äußerungen der Referenten.

 

Von Manuel Wamsler

Facts & figures

Mittwoch, November 30th, 2011


Heute und morgen findet in den Räumen des ZDF die Jugendmedienschutztagung 2011 statt. Ungefähr 10 Leute planen die Veranstaltng gemeinsam seit März diesen Jahres.
In der Meistermannhalle, wo die Tagung größtenteils stattfindet, sitzen ca. 230 Jugendschutzbeauftragte, Journalisten, Vertreter der Fernsehsender sowie der evangelischen und katholischen Kirche, Politiker und natürlich die Referenten.
Die Wand hinter der Bühne ist komplett aus Glas, sodass man einen traumhaften Ausblick auf das Außengelände des ZDF hat. Neben der Bühne befinden sich zwei große Bildschirme, auf denen zum Beispiel auch schon das Video vom Song zur Jumeta von „Kunstrasen“ abgespielt wurde.

Außerdem gibt es noch mehrere kleinere Bildschirme, auf denen die Live-Übertragung der drei Kameras zu sehen ist, die die Veranstaltung die ganze Zeit filmen. Die Aufnahmen kann man auch in der Mediathek des ZDF anschauen, und werden später archiviert.
Für die Gäste im Saal gibt es etwa 200 freie W-Lan Anschlüsse, von denen wir von der Jungen Presse auch schon neun Stück in Anspruch genommen haben.
Während der ganzen Tagung gehen 2 Herren des ZDF mit Mikrofonen herum, und geben den Leuten die Möglichkeit aktiv ihre Meinung beizusteuern.
Für Verpflegung ist natürlich auch gesorgt. Vor dem Konferenzsaal befindet sich ein Buffet, auf dem man Obst, und Getränke finden kann. Und zum Mittagessen gab es Kartoffelsuppe mit Würstchen.

Von Anna Stunic